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Forscher haben Antikörper entdeckt, die das Zika-Virus attackieren

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Baku, 28. Juni, AZERTAC

Das Zika-Virus wird von Mücken übertragen, es kann Fehlbildungen bei ungeborenen Kindern verursachen. Eine Entdeckung macht Hoffnung im Kampf gegen die Krankheit.

Europäische Forscher haben Antikörper entdeckt, die das Zika-Virus attackieren. Sie hoffen, dass dies ein großer Schritt bei der Entwicklung eines Impfstoffes ist.

Die Antikörper würden Zika in menschlichen Zellen unter Laborbedingungen neutralisieren und zudem gegen das Dengue-Fieber helfen, das mit Zika verwandt ist, schreiben die Wissenschaftler im britischen Fachmagazin "Nature". Dies könnte zur "Entwicklung eines universellen Impfstoffs" gegen beide Viren führen - dahin sei es aber noch ein weiter Weg.

Das von der Stechmücke Aedes aegypti übertragene Zika-Virus kann bei einer Infektion von Schwangeren zu Schädelfehlbildungen beim ungeborenen Kind führen. Laut dem WHO-Zika-Report vom 16. Juni 2016 ist der Krankheitserreger in 60 Ländern und Hoheitsgebieten aktiv, die meisten von ihnen liegen auf dem amerikanischen Doppel-Kontinent, Brasilien ist am stärksten betroffen. Mittlerweile sind dort mehr als tausend Zika-Kinder mit zu kleinen Köpfen zur Welt gekommen.

Die in der Studie untersuchten Antikörper stammen von Menschen, deren Immunsystem nach einer Dengue-Infektion Proteine gegen das Virus entwickelt hatte. "Wir hätten nie gedacht, dass das Dengue-Virus und das Zika-Virus sich so sehr ähneln, dass gegen das Dengue-Virus gebildete Antikörper auch das Zika-Virus so wirksam neutralisieren können", erklärte Studien-Coautor Felix Rey vom französischen Pasteur-Institut. Nun muss jedoch zunächst geklärt werden, ob das im Menschen auch so zuverlässig funktioniert wie in den Zellkulturen.

Dengue-Infektion macht anfälliger für Zika - Die Forscher machten zudem eine andere, beunruhigende Entdeckung: Während der Mensch nach einer Dengue-Infektion zwei auch gegen Zika wirksame Antikörper-Arten entwickelt, scheinen die meisten anderen gebildeten Proteine eine Vermehrung der Zika-Viren zu fördern.

Eine frühere Dengue-Erkrankung könne also womöglich das Risiko einer Zika-Infektion erhöhen, erklärte Gavin Screaton vom Imperial College London. "Das könnte erklären, warum der derzeitige Zika-Ausbruch so heftig ist, und warum er vor allem Regionen betrifft, in denen es auch Dengue gibt." Diese Erkenntnisse wurden in einer Studie im Fachmagazin "Nature Immunology" veröffentlicht.

Abtreibungswünsche nahmen sprunghaft zu - Eine vom "New England Journal of Medicine" veröffentlichte Studie zeigt zudem, dass die Zahl der Abtreibungswünsche in Brasilien sprunghaft gestiegen ist, seit sich die Fälle von Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen häufen. Die Wissenschaftler werteten Daten der Organisation "Women on Web" aus, die in Ländern mit restriktiven Abtreibungsregeln einen Zugang zu einem Abbruch anbieten.

In Brasilien sind Schwangerschaftsabbrüche verboten - es sei denn es handelt sich um eine Vergewaltigung oder es gibt Hinweise auf akute Gefährdungen für die Gesundheit der Mutter.

Auf Basis der Abtreibungsanfragen seit 2010 ermittelten die Forscher einen Durchschnitt, den sie mit Daten seit dem 17. November 2015 verglichen, als die Panamerikanische Gesundheitsorganisation die erste Zika-Warnung aussprach. Demnach stieg die Zahl der Anfragen in Brasilien um 108 Prozent und in Venezuela um 93 Prozent.

Von 19 untersuchten Ländern lag die Zunahme in Staaten mit restriktiven Abtreibungsregeln bei mindestens 36 Prozent. Ein Treiber seien dabei wohl Hinweise von Regierungen gewesen, auf eine Schwangerschaft wegen Zika vorerst zu verzichten - dies könnte bei bereits schwangeren Frauen zusätzliche Verunsicherung geschürt haben. Dabei löst nur ein Bruchteil der Infektionen tatsächlich Mikrozephalie aus.

Die USA und Brasilien starten nun ab Juli eine große Studie: 10.000 schwangere Frauen in Ländern mit einer starken Zika-Verbreitung werden begleitet, davon 4000 in Brasilien. Ab November soll zudem mit Impfstoff-Tests an Affen und Mäusen begonnen werden - der Zika-Impfstoff soll als einmalige Dosis verabreicht werden und spätestens bis 2018 zur Verfügung stehen.

Unabhängig davon es gibt auch gute Nachrichten: Offenbar verliert das Virus im letzten Drittel der Schwangerschaft an Gefahr.

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