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Forscher haben in China ein neues Influenzavirus entdeckt

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Baku, den 21. August (AZERTAG). Forscher haben in China ein neues Influenzavirus entdeckt. H7N7 ist mit H7N9 verwandt und kann Säugetiere anstecken. Fraglich ist, ob es für Menschen zur Gefahr wird. In China blicken Mediziner dem Winter mit Sorge entgegen. Sobald es kälter wird, droht nicht nur die nächste Krankheitswelle mit dem Vogelgrippe-Erreger H7N9, der bereits mehr als 40 Menschen getötet hat. Forscher fürchten auch, dass sich bald eine komplett neue Variante der Vogelgrippe auf den chinesischen Geflügelmärkten ausbreiten könnte: ein mit H7N9 eng verwandtes Virus des Typs H7N7.

Der Zoologe Tommy Tsan-Yuk Lam von der Universität Oxford und sein Team haben den Erreger in Wasserproben auf Märkten in der Stadt Wenzhou entdeckt. Dort wird Geflügel aus der Provinz Zhejiang verkauft, die im Norden an Shanghai grenzt, dem Hauptverbreitungsgebiet des H7N9-Erregers. „Der Fund legt nahe, dass eine drohende Pandemie über H7N9 hinausgehen könnte“, schreiben die Forscher im Magazin Nature.

Wie sich im Tierversuch mit Frettchen herausstellte, kann H7N7 wie sein Verwandter H7N9 auch Säugetiere befallen. Als die Wissenschaftler die Frettchen mit dem isolierten Erreger ansteckten, fanden sie diesen wenige Tage später in den oberen Atemwegen, den Lymphknoten und auch in der Lunge der Tiere wieder. „Das zeigt, dass das Virus auch in Säugetieren eine sichtbare Infektion verursachen kann“, heißt es in der Studie.

Die Forscher vermuten, dass H7N7 diese Fähigkeit seiner genetischen Ähnlichkeit mit H7N9 verdankt. Als sie das Erbgut beider Virustypen aufschlüsselten und verglichen, stellten sie fest, dass sie von Erregern aus eurasischen Wildvögeln abstammten. Die Varianten haben also einen ähnlichen evolutionären Ursprung. Sechs ihrer jeweils acht Gensegmente sind komplett identisch. „Wenn das Virus sich in der Region ausgebreitet hat, ist es wahrscheinlich, dass es auch Menschen ansteckt“ sagt Koautor Yi Guan von der Universität von Hongkong.

Ob und wie weit es bereits verbreitet ist, wissen die Forscher allerdings nicht. Die Proben waren im April dieses Jahres genommen worden, kurz bevor die meisten großen Geflügelmärkte in den betroffenen Regionen geschlossen und zahlreiche Hühner geschlachtet wurden. Es kann auch sein, dass das Virus längst ausgerottet ist. Dennoch dürfe man das Risiko durch das neue H7N7 laut Guan nicht unterschätzen.

Viren des Typs H7N7 hatten zuletzt 2003 bei der Geflügelpest in den Niederlanden 89 Menschen angesteckt. Die meisten erlitten eine Bindehautentzüdung, ein Tierarzt starb. H7-Viren sind nach Ansicht der Forscher grundsätzlich dafür bekannt, pathogene Phänotypen hervorbringen zu können und deshalb immer ein Grund zur Sorge.

Ob das neue Virus ebenso gefährlich für Menschen werden könnte wie H7N9, ist laut dem Virologen Thorsten Wolff vom Robert Koch-Institut trotzdem fraglich. Zum einen, weil die neuen H7N7-Viren in China und den älteren H7N7-Viren aus den Niederlanden nicht zwingend genetisch verwandt seien, also auch nicht unbedingt ähnliche biologische Eigenschaften hätten. Zum anderen, weil die Infektiosität der neuen Erreger bislang nur im Tierversuch nachgewiesen wurde. „Den Frettchen wurden hohe Dosen der Viren direkt in die Nase gespritzt – das zeigt noch nicht, ob dieses H7N7 auch über eine Tröpfcheninfektion von Geflügel auf Menschen springen kann“, sagt er.

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