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Forscher hoffen auf 1,5 Millionen Jahre Klimageschichte

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Baku, den 19. November (AZERTAG). Forscher in der Antarktis haben eine Eisdecke gefunden, die eine Reise durch 1,5 Millionen Jahre Klimageschichte möglich machen könnte. Damit wäre sie fast doppelt so alt wie die bisher gefundenen Eisdecken. Doch die Arbeitsbedingungen sind extrem.

Klimaforscher können mittels Eisbohrkernen womöglich bald noch mehr über die Klimageschichte der Erde erfahren: Mit Hilfe von Daten zu Klima- und Eisbedingungen der Antarktis haben Schweizer Wissenschaftler in einer Simulation errechnet, an welchen Orten die Eisdecke 1,5 Millionen Jahre umspannen könnte. Aussichtsreich sind demnach Gebiete nahe der großen Hochebenen in der Ostantarktis sowie nahe dem Südpol, schreiben die Wissenschaftler um Hubertus Fischer im Fachmagazin „Climate of the Past“ der European Geosciences Union (EGU).

Der Querschnitt durch alle Schichten des Eises in der Antarktis von oben nach unten gilt als aussagekräftiges Klimaarchiv. Die Schichten entstehen, wenn Schnee fällt und sich zu Eis verdichtet. Mit ihren eingeschlossenen Luftbläschen stellten Eisbohrkerne ein direktes Archiv der Atmosphäre längst vergangener Zeiten dar, schreiben die Forscher. Der bislang längste Eisbohrkern erlaubte nur, Rückschlüsse auf die Atmosphäre der letzten 800.000 Jahre zu ziehen. Dabei wurde unter anderem klar, dass sich die Treibhauskonzentrationen und die Temperaturen stets parallel zueinander veränderten.

Klimaforscher seien aber sehr an der Zeitspanne vor etwa 900.000 bis 1,2 Millionen Jahren interessiert, schreiben die Wissenschaftler. Analysen des Meeressediments wiesen auf einen klimatischen Übergang in dieser Phase hin. Das Erdklima schwanke zwischen kurzen Warm- und langen Kaltphasen - vor dem Übergang habe eine solche Periode 41.000 Jahre, seither aber 100.000 Jahre umfasst. Einige Forscher vermuteten einen Zusammenhang mit der Konzentration von Treibhausgasen, erläutern die Wissenschaftler. Ein 1,5 Millionen Jahre umfassender Eisbohrkern könne dies klären helfen. „Ein solcher Eiskern existiert bisher nicht, aber Eis dieses Alters sollte es in der Antarktis prinzipiell geben“, heißt es in der der Veröffentlichung.

Es reiche allerdings nicht, einfach tiefer zu bohren. Denn unter sehr hohem Druck erwärme sich das älteste, ganz unten liegende Eis und schmelze. Dies sei beim bislang längsten Kern der Fall gewesen und habe seine Aussagekraft auf 800.000 Jahre begrenzt. Ein weiterer Faktor sind den Forschern zufolge horizontale Bewegungen im Eispanzer, die ein Durchmischen der jährlichen Schichten zur Folge haben.

Die Schichten zusammengepressten Neuschnees sollten bei dem gesuchten Eiskern deshalb möglichst dünn sein, erläutern die Forscher. Anzustreben sei eine Kernlänge von maximal 2,4 bis 3 Kilometern. In den vielversprechenden Gebieten müssten nun zunächst die Dicke der Eisdecke und die Temperatur am Grund gemessen werden, heißt es in der Studie. In den nächsten drei bis fünf Jahren könne dann ein Bohrprojekt starten. Die Kosten dafür lägen bei rund 50 Millionen Euro.

 

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