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Forscher scannen Skulpturen des Hadrianswalls

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Baku, 25. Juni AZERTAC

Ein kleines Museum im Internet: Archäologen haben die Monumente entlang des Hadrianswalls in England eingescannt. Die Bilder bieten auch "Game of Thrones"-Fans einen spannenden Anblick.

Es war zwischen 122 und 128 nach Christus, als der römische Kaiser Hadrian einen gewaltigen Wall erbauen ließ. Er wollte sein Reich gegen die schottischen und irischen Stämme schützen, die von Norden her in die Provinz Britannia drängten. So lang, so hoch und so schroff war das Bauwerk, dass die heute noch sichtbare Ruine George RR Martin zu seinem „Game of Thrones“ - Epos inspirierte.

Der Romanautor besuchte den Hadrianswall 1981 gemeinsam mit einem Freund. Als er an den schroffen Mauern hinaufblickt, versuchte er sich in die römischen Legionäre hinein zu versetzen, die mehr als tausend Jahre zuvor den Wall bewachten. Das Gefühl bewegte etwas in ihm - die Idee zu der Mauer, dem Kernstück seiner Romane, entstand. „Ich nahm den Hadrianswall und machte ihn dreimal so lang und über 200 Meter hoch und aus Eis“, erzählte er in einem Interview im „Rolling Stone“.

Das Leben am Hadrianswall bot den römischen Soldaten jedoch weitaus mehr Facetten als die Mauer den Brüdern der Nachtwache in Martins Romanen. In den Befestigungen und Lagern entlang des Walls lebten unter anderem Bildhauer, die Kunst in den äußersten Norden des Reiches brachten. Die Soldaten wollten ihre Götter verehren und brauchten dazu Statuen und Altäre. Ihren Toten wollten sie Grabsteine setzten mit Abbildungen der Dinge, die ihnen im Leben wichtig waren.

Scans geben Einblick ins römische Leben - Diese Monumente aber stehen heute nicht mehr entlang des Walls, sondern sind auf viele Sammlungen verteilt. Wer sie sich ansehen will, musste bislang viel Zeit mitbringen, um mehr als hundert Kilometer durch drei Grafschaften von Museum zu Museum zu reisen. Das hat ein Team von Newcastle University Digital Heritage jetzt geändert. Mit einem Scanner machten sich die Forscher unter der Leitung der beiden Archäologen Ian Haynes und Rob Collins auf die Reise.

Die Arbeit hatte ihre Tücken: „Viele der Steine waren nur schummrig beleuchtet, oft zwar mit einem Spot von vorne aber nur sehr wenig Licht an den Seiten und von hinten“, berichten sie in der Fachzeitschrift „British Archaeology“. Und drehen konnte man die meisten Stücke auch nicht: "Die Monumente sind größtenteils fixiert, entweder allein durch ihr Gewicht - in einigen Fällen über eine Tonne - oder durch Metallrahmen.“

Außerdem störten Nachbarsteine oder Schautafeln den Blick auf alle Oberflächen. Schließlich wählten die Forscher deshalb einen kleinen Handscanner. „Er sieht aus und fühlt sich auch an wie ein elektrischer Wasserkocher“, beschreiben sie ihr Arbeitsgerät, „aber er funktioniert wie eine 3D-Videokamera.“

Die Arbeit ging so schnell voran, dass die Forscher statt der geplanten 18 Skulpturen, Altären und Grabsteinen 56 Monumente aufnehmen konnten. (Die Aufnahmen finden Sie auf dieser Homepage.) Die Scans bieten eine genaue Dokumentation, falls der Stein in Zukunft weiter verwittert - denn viele der Steine werden in Gärten oder offenen Innenhöfen ausgestellt. Aber auch stark verwitterte Exemplare lassen sich am Bildschirm wieder „wie neu“ abbilden.

So ist eine stark abgeriebene Skulptur des Mithras, der aus einem kosmischen Ei steigt, am Rechner wieder klar zu erkennen. Wer will, kann das Bild sogar farbig bemalen - und damit in den Originalzustand zurückversetzen. Die Monumente können digital von jedem Wissenschaftler betrachtet werden - egal ob er in einem Zelt am Hadrianswall sitzt oder in einer Bibliothek in Rom. „Und man kann sie sogar ausdrucken“, freuen sich Haynes und Collins, „wenn vielleicht auch nicht ganz in Originalgröße.“

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