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Forscher wollen den Smog nun mit Wasser bekämpfen

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Peking, den 8. Februar (AZERTAG). Chinas Küstenstädte leiden unter extremer Luftverschmutzung. Forscher wollen den Smog nun mit Wasser bekämpfen. Das soll beispielsweise aus Sprinkleranlagen auf Türmen und Hochhäusern sprudeln. Es ist ein trauriger Weltrekord, den die chinesische Hauptstadt Peking seit Mitte Januar dieses Jahres hält – ein Fall, der eigentlich gar nicht vorgesehen ist: Einen Wert von 671 zeigten die Luftqualitätsmessgeräte am 16. Januar zwischenzeitlich an. Normalerweise reicht die Skala des sogenannten Air Quality Index nur von null bis 500. Doch in Peking reicht sie nicht mehr aus, um den Ernst der Lage zu beschreiben.

Gemessen werden die Schadstoffpartikel pro Kubikmeter Luft. Ein Wert zwischen null und 50 symbolisiert eine gute Luftqualität. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt auf 24 Stunden gerechnet einen Durchschnittswert von maximal 25 – der gemessene Wert von 671 überschreitet diese Grenze um fast das 27-Fache. Ab 300 muss man ernsthaft um seine Gesundheit fürchten, weil dann die Luft extrem belastet ist mit Kohlenmonoxid, Schwefel- und Stickstoffdioxid, bodennahem Ozon und vor allem dem krebserregenden Feinstaub.

Der dichte Smog – von den Chinesen als „wumai“ bezeichnet, was so viel wie „Dunst“ bedeutet – ist die Kehrseite des rasanten wirtschaftlichen Aufstiegs des Reichs der Mitte. Fabriken und Kraftwerke wurden in den vergangenen Jahrzehnten allerorten ohne jede Umweltauflagen aus dem Boden gestampft. Der zunehmende Wohlstand hat die Nachfrage nach Autos angekurbelt. Zugleich beheizen die meisten Chinesen ihre Wohnungen vor allem mit Holz oder Kohle. Das Gemisch der Abgase bildet bei ungünstigem Wetter – wenig Wind und hohe Luftfeuchtigkeit – eine gigantische Dunstwolke, die ganze Großstädte umschließt. Die Sichtweite liegt dann oftmals unter 100 Metern. Zuletzt mussten rund um Peking aufgrund der schlechten Sicht mehrere Autobahnen für den Verkehr gesperrt werden.

Die gesundheitlichen Auswirkungen des Smogs sind gravierend: Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hält den Smog für krebserregender als Passivrauchen. Allein in der Hauptstadt, so schätzen Experten, sterben Jahr für Jahr 17.000 Menschen an der schlechten Luft.

Bis es soweit ist, helfen sich die Chinesen auf konventionelle Art und Weise: Viele von ihnen gehen ohne Atemmasken nicht mehr aus dem Haus, in den eigenen vier Wänden schützen sie sich mit Luftreinhaltungsgeräten. Diese filtern Feinstaubpartikel und andere Schadstoffe aus der Atemluft. Ende vergangenen Jahres hat die amerikanische Botschaft mehrere Tausend solcher Geräte für die Häuser von amerikanischen Fachkräften gekauft. Auf dem Markt sind auch kuriose Produkte wie etwa Frischluft in Dosen – das Geschäft mit der frischen Luft ist ein boomender Wirtschaftszweig.

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