GESELLSCHAFT


Forscher züchten Innenohr-Härchen aus Stammzellen

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Baku, den 11. Juli (AZERTAG). Stammzellen gehören zu den großen Hoffnungen der Medizin. Die Vision. Ein Ersatzteillager für den Körper. US-amerikanischen Forschern ist es nun gelungen, Sinneszellen auf diesem Weg zu erzeugen: feine Härchen, die im Innenohr Reize weiterleiten.

Wissenschaftler haben aus embryonalen Stammzellen funktionierende Innenohrzellen hergestellt. Sie konnten Haarzellen generieren, die im Ohr zum Beispiel dafür zuständig sind, Kopfbewegungen, Gravitation sowie Geräusche zu registrieren. Das berichten die Neurowissenschaftler um Eri Hashino von der Indiana University School of Medicine in Indianapolis im Fachblatt „Nature“.

Die Stammzellen für das Verfahren gewannen die Forscher aus Mäuseembryonen. Anschließend behandelten sie die Zellen so, dass sie sich zu Innenohrzellen entwickelten und mit Nervenzellen verbanden, die ebenfalls aus embryonalen Stammzellen entstanden waren. Dafür nutzten die Forscher eine neue, dreidimensionale Kultivierungsmethode.

Wachstumfaktoren steuern die Entwicklung - Die Stammzellen differenzierten sich Schritt für Schritt zu Innenohrzellen – während eines Prozesses, der dem, wie er im Körper abläuft, sehr ähnelt. Dafür behandelten Hashino und seine Kollegen die Zellkultur über einen Zeitraum von etwa drei Wochen mit verschiedenen Stoffen wie beispielsweise bestimmten menschlichen Proteinen. Diese steuern als Signale die Entwicklung der Zellen. Das Team ahmte also den normalen Entwicklungsprozess der Innenohrzellen nach.

Den Forschern ist dabei die Eigenschaft embryonaler Stammzellen zugutegekommen: Diese Zellen können sich noch zu jeder Zellart des menschlichen Körpers entwickeln und gelten deshalb als zelluläre Alleskönner. Einzige Voraussetzung dafür ist, dass sie mit den richtigen Wachstumsfaktoren behandelt werden. Der Einsatz embryonaler Stammzellen ist aber umstritten. Denn die Zellen werden aus befruchteten Eizellen gewonnen. Dabei wird also potentielles Leben zerstört.

Im Innenohr von Säugern kommen vier verschiedene Arten von Haarzellen vor: zwei Typen vestibulärer Haarzellen, die unter anderem für den Gleichgewichtssinn zuständig sind, sowie die inneren und äußeren Haarzellen in der Cochlea. Im Experiment stellten die Forscher einen Typ vestibulärer Innenohrzellen her. „Wir stellen hiermit eine einfach zugängliche und reproduzierbare Methode vor, um Haarzellen zu generieren“, schreiben die Wissenschaftler.

Der neue Ansatz hilft den Forschern zu verstehen, wie sich das Innenohr entwickelt. Außerdem könnte er genutzt werden, um Haarzellen für Patienten herzustellen, die an Hörverlust oder Gleichgewichtsstörungen leiden.

 

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