GESELLSCHAFT


Frauen profitieren mehr von gesellschaftlichem Fortschritt

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Baku, den 30. Juli (AZERTAG). Bei steigendem Lebens- und Bildungsniveau in einer Region verbessern Frauen ihre Denk- und Gedächtnisleistung stärker als Männer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von 31.000 Frauen und Männern aus 13 europäischen Staaten. „Wir vermuten, dass Frauen überproportional von gesellschaftlichem Fortschritt profitieren, weil sie bei einem Niveau mit größerer Benachteiligung beginnen“, schreiben Daniela Weber vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) im österreichischen Laxenburg und Kolleginnen aus Schweden und Norwegen.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ („PNAS“). Die Forscherinnen verwendeten Daten der Erhebung über Gesundheit, Alterung und Ruhestand in Europa (Share) aus den Jahren 2006 und 2007. Sie werteten die Ergebnisse dreier Tests zu kognitiven Fähigkeiten bei Menschen im Alter von 50 bis 85 Jahren aus. Geprüft wurde zum einen das episodische Gedächtnis. Dabei hörten die Teilnehmer eine Liste mit zehn Wörtern, die sie nach fünf Minuten möglichst vollständig wiedergeben sollten.

Zum anderen wurden rechnerische Fähigkeiten getestet – etwa die Frage nach der Gesamtmenge, wenn zwei Drittel 6000 sind. Im dritten Test zur Sprachkompetenz sollten die Befragten beispielsweise in einer Minute möglichst viele Tiere aufzählen. Bei der Auswertung berücksichtigte das Team um Weber die regionale Entwicklung anhand von Daten wie Bruttoinlandsprodukt, Geburtenrate, Kindersterblichkeit, Lebenserwartung und Bildungsstand.

Schließlich wurden die Länder zu drei Regionen zusammengefasst: Dänemark und Schweden als Nordeuropa, Griechenland, Italien und Spanien als Südeuropa, die übrigen acht beteiligten Staaten, darunter auch Deutschland, als Mitteleuropa. Das Ergebnis: Bei einer Zunahme von Wohlstand und Bildungschancen verbessern sich Frauen beim episodischen Gedächtnis stärker als Männer.

Beim Rechnen verringern sie unter diesen Umständen den Abstand zu Männern. Und bei der Sprachkompetenz gleichen sich unter guten Bedingungen die Leistungen von Frauen und Männern an, während Männer bei ungünstigen Bedingungen besser abschneiden. Allerdings räumen die Wissenschaftlerinnen ein, dass die Teilnehmer nur einmal getestet wurden und man deshalb nicht sicher sein könne, ob die Unterschiede in den Tests auf Altersunterschiede bei Männern und Frauen zurückgingen.

Frühere Studien hätten jedoch gezeigt, dass kognitive Leistungen bei Frauen und Männern in gleichem Maße mit dem Alter nachließen. Deshalb seien die gefundenen Geschlechterunterschiede wahrscheinlich nicht altersbedingt. „Um eine unterdurchschnittliche Leistung in einem größeren Teil der Bevölkerung zu vermeiden, können Politiker Mittel in die Verbesserung der Lebensbedingungen fließen lassen und, vielleicht noch wichtiger, gleiche Bildungschancen für Männer und Frauen sicherstellen“, lautet das Fazit der Autorinnen.

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