GESELLSCHAFT


Für viele ist ein Hund die beste Medizin

A+ A

Baku, den 28. September (AZERTAG). Hunde erschnüffeln Tumore und warnen ihre Besitzer vor Unterzuckerung oder epileptischen Anfällen. Erst langsam entdecken Forscher, was die Tiere alles leisten können. Eigentlich war alles klar für Thorsten Walles. Hunde, die Krebs erkennen können? So ein Unsinn, dachte der Mediziner – und wollte beweisen, dass die Tiere dazu natürlich nicht in der Lage sind. An der Lungenklinik Schillerhöhe des Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhauses startete er eine Studie, mit vier Hunden und Atemproben von 220 Probanden die weltweit größte zu dem Thema. Sie ergab das Gegenteil dessen, was Walles erwartet hatte: In manchen Fällen erschnüffelten die Hunde sogar winzige Tumore, die auf einem Röntgenbild kaum zu erkennen waren.

Weltweit arbeiten Wissenschaftler an einer solchen Früherkennung. Die Forschung soll dazu dienen, die Fähigkeiten der Hunde elektronisch nachzuahmen. In einer japanischen Studie identifizierte ein Labrador Darmkrebskranke, an einem Pariser Klinikum roch ein Schäferhund, ob Männer an Prostatakrebs erkrankt waren. Auch Walles, der inzwischen die Thoraxchirurgie des Universitätsklinikums Würzburg leitet, forscht weiter. Der Professor will herausfinden, was genau die Tiere in der Atemluft seiner Patienten riechen: „Das Thema ist wissenschaftlich hoch spannend und wahnsinnig relevant.“

Hunde und Menschen verbindet eine enge Beziehung. Seit Jahrtausenden stellen die Nachfahren der Wölfe ihre Fähigkeiten in den Dienst ihrer Besitzer, etwa als Jagd- oder Hirtenhunde. Nach dem ersten Weltkrieg begannen sie, Blinden zu helfen, neuerdings machen sie sich auch im medizinischen Bereich nützlich. Sie arbeiten in der Kinderpsychiatrie oder mit demenzkranken Alten. Und sie sollen sogar Diabetiker vor Unterzuckerung warnen und Epileptiker vor Krampfanfällen. Bei all diesen Aufgaben kommen ihnen zwei Begabungen zugute: die sehr feine Nase und das aufmerksame Gespür für ihr Gegenüber.

Regina Bosse ist eine zupackende Dame von 61 Jahren, sie lässt sich nicht unterkriegen. Mit nur 13 Monaten erkrankte sie an Polio und konnte nie laufen lernen, ein Arm ist gelähmt. Erst haben ihre Eltern dafür gekämpft, dass sie mit ihrem Rollstuhl eine reguläre Grundschule besuchen durfte. Später hat sie das Fachabitur nachgeholt und Sozialarbeit studiert. Seit ihr Leiden sie mit knapp 50 in den Vorruhestand zwang, engagiert sie sich ehrenamtlich. Ihr früherer Hund Paule war ihr dabei eine große Hilfe.

Jetzt hat Leo dessen Nachfolge angetreten: eine Mischung aus Labrador und Königspudel, lebhaft und puschelig, mit weichem, weißen Fell und keckem Blick. Voller Elan zerrt er an ihren Schuhen, um sie auszuziehen, wenn Regina Bosse ihn darum bittet. Er packt die Ärmel und befreit sie von der Jacke, wenn ihr zu warm wird.

Falls an dem Schreibtisch, der immer noch nach viel Arbeit aussieht, mal ein Papier zu Boden segelt, hebt er es mit der Schnauze auf. Den Lichtschalter bedient er mit der Pfote. Und wenn es klingelt, öffnet er auf Wunsch die Tür: Mithilfe der blauen Kordel, die daran baumelt, zieht er die Klinke herunter. All das bereitet ihm offensichtlich Spaß.

 

© Jede Verwendung von Materialien muss durch den Hyperlink kenntlich gemacht werden

KONTAKT MIT DEM AUTOR

Füllen Sie die erforderlichen Stellen mit Zeichen* aus

Bitte geben Sie die Buchstaben wie oben gezeigt ein.
Egal, ob die Buchstaben groß oder klein sind