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Geschichte unserer modernen Vögel begann wahrscheinlich fünf bis sechs Millionen Jahre früher

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Baku, 7. Mai, AZERTAC 

Die Analyse zweier Fossilien aus China zeigt: Moderne Vögel lebten bereits vor rund 130 Millionen Jahren auf der Erde.

Die Geschichte unserer modernen Vögel begann wahrscheinlich fünf bis sechs Millionen Jahre früher als bisher gedacht. Dies berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Nature Communications". Im Nordosten Chinas waren sie auf die versteinerten Überreste zweier Fossilien gestoßen. Die Analysen der bislang unbekannten Spezies ergaben, dass die frühen Vögel vor etwa 130 Millionen Jahren in der Unterkreidezeit gelebt hatten.

Das Team um den Paläontologen Min Wang von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften gab der Spezies den Namen Archaeornithura meemannae und ordnet sie den Ornithuromorpha zu. Diese Gruppe beschreibt den evolutionären Zweig, aus dem sich alle modernen Vögel entwickelten.

Fliegen, manövrieren, waten - Fossile Funde von Vögeln aus dem Erdmittelalter, das vor etwa 252 Millionen Jahren begann und vor etwa 66 Millionen Jahren endete, sind selten. Deshalb ist nur wenig über die frühe evolutionäre Geschichte der Vorfahren moderner Vögel bekannt. Umso bedeutender sind die nun vorgestellten Funde aus dem Tal von Sichakou in der Provinz Hebei im Nordosten Chinas.

Im Fachartikel beschreiben der Paläontologe Wang und seine Kollegen, dass die beiden Fossilien ein nahezu vollständig erhaltenes Federkleid hätten, das aus kurzen, schaftlosen Federn bestand. Die anatomischen Eigenschaften der Tiere ließen darauf schließen, dass diese fliegen und in der Luft manövrieren konnten. Eine mit dem Artikel veröffentlichte Illustration zeigt den Vogel als bräunlich gefiedertes Tier, das an einen Star erinnert und einen blau-schillernden Kamm auf dem Kopf trägt.

Am Tibiotarsus, einem Unterschenkelknochen, hätten die Vögel allerdings keine Federn gehabt. Die Forscher schließen daher auf eine watende Lebensweise, wie sie auch bei anderen frühen Vögeln vermutet wird, deren fossile Überreste in ähnlichen Umgebungen entdeckt worden waren.

Archaeopteryx lebte früher, war aber kein „fertiger“ Vogel - Die neu vorgestellten Exemplare sind derzeit die ältesten Mitglieder der Ornithuromorpha. Älter als Archaeornithura meemannae sind bislang nur die berühmten Funde des Ur-Vogels Archaeopteryx, dessen Fossilien in der Fränkischen Alb in den Solnhofener Plattenkalken entdeckt und auf die Oberjura-Zeit vor 152 Millionen bis 145 Millionen Jahre datiert wurden.

Bei Archaeopteryx handelt es sich allerdings streng genommen um keinen "fertigen" Vogel, er gilt vielmehr als Übergangsform zwischen Dinosaurier und Vogel. Die Vögel (Aves) entwickelten sich wahrscheinlich aus den Maniraptora, einer Untergruppe der Theropoda - zweibeinig laufendenden Tieren, von denen die meisten Fleischfresser waren. Die Grenze zwischen kleinem, gefiederten Raubsaurier und Vogel ist fließend: Es gibt zahlreiche Funde, die - wie im Fall Archaeopteryx - ein Zwischenstadium zwischen Dinosaurier und Vogel dokumentieren.

Die Abgrenzung geschieht anhand markanter Körpermerkmale. So fehlt modernen Vögeln im Gegensatz zu ihren frühen fliegenden Vorfahren offensichtlich ein mit Wirbeln gestützter Schwanz, auch sind ihre Schnäbel sind heute unbezahnt. Im Knochenbau moderner Vögel gibt es weitere Details, die sie von ihren den Raubsauriern noch näherstehenden Vorfahren unterscheiden.

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