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Gletscher der Schweizer Alpen schrumpfen stark

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Baku, 24. November, AZERTAG

Die Gletscher der Schweizer Alpen sind innerhalb von knapp 40 Jahren stark geschrumpft. Die Eisdecken auf den Berghöhen nahmen nach einer Studie von Schweizer Wissenschaftlern im Jahr 2010 insgesamt noch 940 Quadratkilometer ein – fast ein Drittel weniger als noch 1973.

Nach Angaben des Gletscherinventars der Universität im schweizerischen Freiburg befinden sich heute die meisten und größten Schweizer Gletscher in den Berner und Walliser Alpen.

Von ihrer Anzahl her seien die sogenannten Zwerge – also Gletscher mit einer Fläche von weniger als einem halben Quadratkilometer – am häufigsten. Das mit Abstand meiste Eis ruhe in wenigen Riesen wie dem Großen Aletschgletscher.

Auch das Eisvolumen sank in dem für die Studie betrachteten Zeitraum beträchtlich. Die untersuchten Gletscher verloren zwischen 1980 und 2010 22,5 Kubikkilometer Firn und Eis, errechneten die Glaziologen. Die resultierenden Schmelzwassermengen hätten seit 1973 zweimal den Vierwaldstättersee füllen können – der größer als 100 Quadratkilometer ist und im Mittel 100 Meter tief. Besonders stark war der Schwund bei Gletschern im Tessin, Engadin und Südbünden.

Wie Mauro Fischer von der Universität Freiburg erläuterte, kartierten die Forscher zuerst anhand von hochaufgelösten Luftbildern von 2010 aktuelle Umrisse aller noch vorhandenen Gletscher der Schweizer Alpen. Diese verglichen sie dann mit Gletscherumrissen aus dem Jahr 1973 (Schweizer Gletscherinventar 1973). So konnten sie für die ganzen Schweizer Alpen und jeden einzelnen Gletscher Flächenänderungen berechnen. Die Ergebnisse seien nicht grundsätzlich überraschend gewesen, aber viel genauer als bisher. Noch nicht alle Differenzen seien erklärbar, sagte Fischer. Fakt aber sei: „Kein einziger Gletscher hat über die betrachtete Zeitperiode an Fläche oder Volumen zugelegt, die Änderungen sind durchwegs negativ.“

„Da wir zudem von beiden Zeitpunkten – 1980 und 2010 – digitale Geländemodelle zur Verfügung hatten, konnten wir diese mit den Gletscherumrissen verknüpfen“, sagte Fischer. Anhand der Höhendifferenz der beiden Geländemodelle innerhalb des vergletscherten Gebiets hätten sie Volumen- und Massenänderungen berechnen können.

Die Datengrundlage ermöglicht es den Wissenschaftlern, die Reaktion der Alpengletscher auf die globale Erwärmung besser zu verstehen. Fischer hält die Alpengletscher für die "wahrscheinlich besten Indikatoren dafür, wie sich unsere Atmosphäre und unser Klima in den letzten Jahrzehnten verändert hat". Der bemerkenswerte Gletscherschwund sei primär auf den Temperaturanstieg – vor allem seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs – zurückzuführen. „Die Gletscher sind Fünfsterne-Indikatoren für den Klimawandel, weil die Beziehung zwischen den sich verändernden Klimabedingungen und dem Zustand der Gletscher sehr direkt und für alle Menschen nachvollziehbar ist", sagte der Forscher.“ Mit den neuen Daten lasse sich auch die künftige Entwicklung genauer prognostizieren, erläuterten die Wissenschaftler im Journal The Cryosphere Discussions, das ihre Ergebnisse veröffentlichte.

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