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Great Barrier Reef ist eine der größten Touristenattraktionen

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Baku, 2. Juni, AZERTAC

Schlechtes Wasser, Korallenschwund und Hafenbau - Australien musste lange um den Status des Great Barrier Reefs als Weltnaturerbe fürchten. Nun die Entscheidung. Die Unesco stuft das Riff vorerst nicht als gefährdet ein.

Für Australien wäre es ein großer Prestigeverlust gewesen. Nun die Erleichterung. Die Unesco verzichtet vorerst darauf, das Great Barrier Reef als gefährdet einzustufen - in einem zweiten Schritt hätte das Riff dann den Status als Weltnaturerbe verlieren können. Eine positive Empfehlung gab die Uno-Kulturorganisation in Paris für die Sitzung des Welterbekomitees Ende Juni in Bonn.

Unesco-intern wurden die Formulierungen mit Vorgaben für den Erhalt des Great Barrier Reefs als „sehr deutliche Worte“ bewertet. Die Welterbe-Schützer setzen auf die Umsetzung eines bis 2050 konzipierten Langzeitplans. Dieser müsse nun in konkreten Regelungen umgesetzt werden. Dazu zählt die Unesco etwa die Beschränkung der Hafenentwicklung. Zur Verbesserung der Wasserqualität soll die Verschmutzung bis 2025 um 80 Prozent reduziert werden.

Warnschuss für die Regierung - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sieht in der Unesco-Empfehlung einen Warnschuss. „Das Welterbe-Komitee zeigt der australischen Regierung die rote Karte und behält sie im Auge“, sagte Greenpeace-Meeresexpertin Sandra Schöttner. „Kohleförderung oder Riffschutz - beides zusammen geht nicht.“

Der Umweltschutzverband WWF rechnet damit, dass zum Schutz Investitionen von mindestens 350 Millionen Euro notwendig sind. Bislang sind etwa 140 Millionen Euro im Jahr für Schutzmaßnahmen vorgesehen. „Der Entwurf des Unesco-Beschlusses hält zumindest den Druck auf die australische Regierung aufrecht, Resultate zu liefern und den Verfall des Riffs zu stoppen“, sagen Forscher.

Müllkippe Korallenriff - Der Korallenschwund am Great Barrier Reef ist alarmierend, fast 50 Prozent der Lebewesen sind seit 1985 verschwunden. In der Konsequenz hatten die Wächter über die Weltnaturerbe bei der Uno-Kulturorganisation Unesco 2013, gedroht, das Korallenriff auf die Liste der bedrohten Welterbe zu setzen. Ein Behördenbericht sollte die Unesco im Juli 2014 umstimmen, Forscher hielten die geplanten Maßnahmen der Regierung jedoch für unzureichend.

Für Australien hätte die Zerstörung des Riffs auch finanzielle Einbußen zur Folge. Das Great Barrier Reef ist eine der größten Touristenattraktionen. Seit 1981 schmückt es sich mit dem Titel „Weltnaturerbe“. Besucher lassen 6,5 Milliarden australische Dollar (heute 4,6 Milliarden Euro) im Jahr da, mehr als 65.000 Arbeitsplätze hängen davon ab.

Dennoch waren Politiker lange der Auffassung, Naturschutz und Hafenausbau könnten Hand in Hand gehen. Zwölf Häfen sollen entlang der Küste des mehr als 2000 Kilometer langen Marineparks aus- oder neu gebaut werden. Selbst für die Verklappung des Baggerguts teilweise nur 20 Kilometer vom Riff entfernt gab die Regierung grünes Licht. Das ist inzwischen aber vom Tisch. Bei neuen Projekten muss Baggergut anderswo entsorgt werden.

Kohleabbau statt grüne Energien - Naturschützer halten die bisherigen Maßnahmen der Regierung für unzureichend. Zwar haben sich Korallendecke und Seegräser im Great Barrier Reef in Küstennähe in letzter Zeit etwas erholt. Das liege aber wohl vor allem daran, dass es zuletzt weniger verheerende Überschwemmungen gab, die Erdreich und Herbizide ins Meer spülten, sagt die Meeresbiologin Britta Schaffelke vom australischen Institut für Meereswissenschaften (AIMS). „Es ändert nichts daran, dass das Riff in einem schlechtem Zustand ist.“

Geändert hat sich bislang auch nicht, dass die australische Regierung die Kohleindustrie im Hinterland der Ostküste ausbauen will - dafür braucht sie die vielen neuen Häfen. Kohleabbau heizt den Klimawandel an. Australien gehört wegen seiner Kohleindustrie schon jetzt pro Kopf der Bevölkerung zu den größten Klimasündern der Welt. Der Klimawandel gilt als besonderer Stressfaktor für das Riff, mit Wassererwärmung, Korallenbleiche und häufigeren Stürmen, die Erosion auslösen.

Aus Protest gegen die Kohleindustrie machen in Großbritannien 13 Umweltschutzorganisationen mit mehr als 50 Millionen Mitgliedern Druck auf Banken, das Galilee-Basin-Projekt nicht zu fördern.

„Leider gibt es bislang keine Anzeichen, dass die Maßnahmen der Regierung den Zustand des Riffs wirklich verbessert haben“, resümiert der Marinepark-Spezialist der Umweltstiftung WWF, Richard Leck. „Wir appellieren an das Uno-Komitee, schon in einem Jahr zu schauen, ob die Regierung ihre Versprechen auch umsetzt.“

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