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Griechische Soldaten bauen Lager für 20.000 Menschen

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Baku, 1. März, AZERTAC

Griechenland rechnet bald mit 100.000 gestrandeten Flüchtlingen - und fordert 470 Millionen Euro von der EU, um die Menschen zu versorgen. Regierungschef Tsipras droht erneut mit einer Blockade des EU-Gipfels.

Wegen der geschlossenen Nordgrenze zu Mazedonien wird die Lage in Griechenland immer dramatischer: Jetzt hat das Land seine Prognose der Flüchtlingszahlen drastisch erhöht - und die Europäische Union um Finanzhilfen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro gebeten.

Nach der Schließung der Grenze zu Mazedonien rechnet Athen damit, dass in den kommenden Tagen mehr als 100.000 Migranten in Griechenland festsitzen könnten. Wegen des erwarteten Zuzugs aus der Türkei hat die griechische Regierung nun ein EU-Hilfspaket in Höhe von 470 Millionen Euro beantragt, berichtete der griechische Fernsehsender ANT1. Auch andere Medien nannten diesen Betrag.

Damit soll es möglich sein, etwa 50.000 Menschen in Aufnahmelagern und weitere 50.000 in einfachen Hotels unterzubringen. Es würden insgesamt 8200 Polizisten und zivile Mitarbeiter benötigt, um die Flüchtlinge zu registrieren und für Verpflegung, Gesundheit und Sicherheit zu sorgen.

Griechische Soldaten bauen Lager für 20.000 Menschen - Am Montag war es zu dramatischen Szenen im griechischen Grenzort Idomeni gekommen, als Hunderte Verzweifelte versuchten, den Grenzzaun zu überwinden. Die mazedonischen Sicherheitskräfte schossen Tränengaspatronen in die Menge und vertrieben sie von der Grenzlinie.

Um die Situation in Idomeni zu entschärfen, baut das griechische Militär derzeit sieben neue Lager für mehr als 20.000 Menschen. An der Grenze warten inzwischen mehr als 8000 Flüchtlinge auf ihre Weiterreise. Das Flüchtlingshilfswerk der Uno (UNHCR) warnt, es fehlten Unterkünfte, Wasser und Nahrungsmittel. Die Organisation befürchtete Spannungen, die zu weiteren gewalttätigen Aktionen führen könnten.

Tsipras pocht auf gleichmäßige Verteilung von Flüchtlingen - Bereits am Wochenende hatte die griechische Regierung berichtet, mindestens 25.000 Menschen seien im Land, die eigentlich weiter in Richtung Norden wollten. Griechenlands Migrationsminister Giannis Mouzalas hatte da noch die Zahl von 70.000 gestrandeten Flüchtlingen für den Monat März prognostiziert.

Unterdessen hat Regierungschef Alexis Tsipras angekündigt, er werde unbedingt auf einer gleichmäßigen Verteilung von Flüchtlingen in allen Staaten der Europäischen Union bestehen. Andernfalls werde er keinem Beschluss beim Gipfeltreffen zwischen EU und Türkei am 7. März zustimmen, sagte Tsipras in einem Interview des griechischen Fernsehsenders Star.

In der griechischen Hafenstadt Piräus wurde am Dienstag wieder die Ankunft von gut tausend Migranten von den Ägäisinseln erwartet. Sie hatten in den vergangenen Tagen aus der Türkei übergesetzt, teilte die Küstenwache mit. In der Ostägäis herrschen zurzeit starke Winde. Der Flüchtlingszuzug habe deshalb etwas nachgelassen, sagte ein Offizier der Küstenwache.

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