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Grün und Türkis im Ozean

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Baku, 2. Juni, AZERTAC

Der Nordatlantik erstrahlt derzeit in Türkis und Grün. Winzige Lebewesen wachsen durch Sonnenlicht und Nährstofffülle - sie machen Strömungen vom All aus sichtbar.

Auch im Ozean gibt es Jahreszeiten. Dank der massenhaften Vermehrung winziger Organismen, Algen und Bakterien wird das Phänomen auch aus großen Entfernungen erkennbar, wie ein Bild zeigt. Es wurde aus Daten der Visible/Infrared Imager Radiometer Suite (VIIRS) an Bord des Nasa-Wettersatellits „Suomi NPP“ erstellt. Die Aufnahme stammt vom 14. Mai 2015.

Die kleinen Lebewesen, die in den oberen Meeresschichten heimisch sind, gewinnen Energie durch Photosynthese, ähnlich wie Pflanzen. Dieses sogenannte Phytoplankton produziert die Hälfte des weltweit gebildeten Sauerstoffs und ist somit maßgeblich für die Versorgung mit dem lebenswichtigen Gas verantwortlich.

Im Frühling lassen das Sonnenlicht, eine gesteigerte Nährstoffversorgung durch ins Meer gespülte Düngemittel sowie Veränderungen in der Atmosphäre die Algen blühen. Sie tauchen unter anderem den Nordatlantik in Grün und Türkis. Ein Teil der Nährstoffe wird auch aus tieferen Wasserschichten nach oben gespült.

Auf der linken Seite des Bildes sind mehrere Ringe grünen Planktons zu erkennen. Sie weisen auf Strudel hin, die wahrscheinlich aus dem Golfstrom stammen, der in der Region seinen Weg Richtung Europa einschlägt, berichtet die Nasa.

Auch das Unterwasserplateau Georges Bank wird indirekt durch die Planktonströme sichtbar. Dort trifft der kalte, nach Süden fließende Labradorstrom auf den warmen Golfstrom, der durch die Temperaturunterschiede nach Osten abgelenkt wird.

Quell des Lebens - Die geringe Wassertiefe am Plateau fördert das Wachstum von Plankton und Meerespflanzen, was wiederum Schalentiere, Fische und Meeressäuger anlockt. Neben der Sauerstoffproduktion ist Plankton Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl von Tieren. Auch große Bartenwale wie der Blauwal ernähren sich von den kleinen Organismen. Andere große Raub- und Säugetiere fressen Fische, die wiederum Plankton fressen.

Lange gehörten Georges Bank und der Golf von Maine auch deshalb zu den ertragreichsten Fischereigründen der Erde. Überfischung und Wasserverschmutzung ließen die Bestände im 20. Jahrhundert allerdings schrumpfen. Heute sollen strengere Regeln und Gesetze sowie neue Fischereitechniken einen Teil der einstigen Vielfalt wiederherstellen.

Unter anderem die Nationale Ozean- und Atmosphärenverwaltung (NOAA) überwacht das Gebiet mit Schiffen und regelmäßigen Wasserproben. So wird auch die Konzentration von Phytoplankton und Algenarten kontrolliert, die bei der Algenblüte giftige Stoffe abgeben.

Forscher, die während der aktuellen Algenblüte im Nordatlantik Wasserproben genommen haben, fanden unter anderem Kieselalgen. Insgesamt wissen Wissenschaftler wenig über das Plankton in den Weltmeeren. Ende Mai veröffentlichte ein großes internationales Forscherteam nach dreijähriger Reise erstmals einen umfassenden Überblick - und zahlreiche Fotos.

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