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Gute Gefühle sind eben sehr fragile Gebilde

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Baku, den 31. Juli (AZERTAG). Man sollte meinen, gute Neuigkeiten machen Menschen froh. Doch weit gefehlt: Angenehme Überraschungen müssen zum richtigen Zeitpunkt kommen, damit die Freude, das sensible Wesen, sich entfalten kann.

Eben war ich noch gut gelaunt, ganz ehrlich. Aber irgend etwas hat mir meine gute Laune gehörig verhagelt. Vielleicht war es diese Studie hier, von Ayelet Fishbach, die an der University of Chicago forscht und sich mit der Zerbrechlichkeit positiver Gefühle beschäftigt. Ein bisschen gequält lächelt sie da, auf ihrer Webseite, und glaubt man ihrer Untersuchung, dann hat sie allen Grund dazu.

In ihrer Studie, die bald im „Journal of Experimental Social Psychology“ erscheinen wird, hat sie in vier Experimenten an mehr als 200 Studenten getestet, wie Menschen reagieren, wenn man sie mit guten Nachrichten überrascht. Was für eine Frage, denkt man da zunächst, ist ja klar, dass man sich freut, über schöne Überraschungen besonders. Aber nein, Menschen sind kompliziert.

Sie freuen sich nämlich nur dann über gute Neuigkeiten, wenn diese im richtigen Moment kommen – soll heißen, wenn man sie entweder gar nicht erwartet oder aber zu einem bestimmten Zeitpunkt. Ein typisches Beispiel, das Fishbach auch in der Studie verwendete, ist dieses: Die schwer verliebte Studentin Rachel ist so hin und weg von ihrem Freund, dass sie regelmäßig seine Wäsche wäscht, wobei sie beim Stopfen der Wäsche in die Waschmaschine in der Tasche seiner Jeans einen Verlobungsring findet.

Wie schön! Ihr Freund will ihr also bald einen Antrag machen. So eine eigentlich doch angenehme Situation bringt Menschen aber in eine seltsame Zwickmühle, sagt Fishbach. Denn Rachel hält ihre Freude über den gefundenen Ring zunächst zurück – schließlich kommt der Antrag ja erst noch. Und erst dann ist die richtige Freude angesagt! Das Problem ist nur: Gefühle lassen sich nicht verschieben, und schon gar nicht planen.

Versetzten sich Fishbachs Probanden in solche Szenarien, dann zeigte sich, dass eine gute Nachricht zu schlechter, also unerwarteter Zeit, das gute Gefühl gleich gänzlich verhindert. Rachel kann sich also weder richtig freuen, als sie den Ring findet, noch freuen, als ihr Freund ihr dann einige Tage später tatsächlich den Antrag macht. Gute Gefühle sind eben sehr fragile Gebilde, und mit Andacht und Vorsicht zu behandeln: Sie lassen sich einfach ruinieren, und nur schwer wieder herstellen.

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