WIRTSCHAFT


HSBC steht vor einem milliardenschweren Sparprogramm

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Baku, 9. Juni, AZERTAC

Die HSBC steht vor einem milliardenschweren Sparprogramm. Das Management will bis zu 50.000 Jobs streichen. Der Firmensitz könnte womöglich von London nach Asien verlegt werden.

Bis zu 50.000 Arbeitsplätze will die von Skandalen gebeutelte britische Großbank HSBC streichen. Etwa 22.000 bis 25.000 Jobs sollen im Zuge einer weltweiten Neuausrichtung wegfallen, wie das Kreditinstitut am Dienstag mitteilte. Weitere 25.000 Stellen entfielen, weil die HSBC ihre Geschäfte in der Türkei und in Brasilien verkaufen wolle.

Derzeit beschäftigt Europas größte Bank 266.000 Mitarbeiter, davon 48.000 in Großbritannien. Ende 2007, vor dem Ausbruch der Finanzkrise, arbeiteten noch mehr als 300.000 Menschen für das Bankhaus.

Der Stellenabbau ist Teil einer neuen Sparrunde. Bis Ende 2017 sollen die jährlichen Kosten um weitere 4,5 bis 5 Milliarden Dollar gesenkt werden, schrieb die Bank in einer Pflichtmitteilung an die Börse in Hongkong. Das wären mehr als zehn Prozent der Kosten.

Kolossal hohe Strafzahlungen und enttäuschende Geschäftszahlen zwingen die HSBC zu einer Schrumpfkur. „Wir haben die HSBC bereits verändert, aber das reicht nicht“, gestand Bankchef Stuart Gulliver ein, als er den Investoren die neue Strategie erläuterte. Gulliver steht seit Anfang 2011 an der Spitze der Bank. Während diese im Jahr 2010 noch 295.000 Mitarbeiter weltweit hatte, sollen davon 2017 nur noch 208.000 übrig sein.

Asien werde im Laufe der nächsten zehn Jahre das Zentrum des internationalen Handels, sagte Gulliver. Im industriegeprägten Süden Chinas wolle die Großbank präsenter werden, genau wie in südostasiatischen Ländern wie den Philippinen, Indonesien oder Malaysia, die jährliche Wachstumsraten von mehr als vier Prozent aufweisen.

Vor einem Schritt schreckt die Bank aber noch zurück: Ihren Hauptsitz in London wie erwogen zu verlagern, möglicherweise nach Hongkong. Eine Entscheidung über den künftigen Standort des Hauptsitzes solle bis Jahresende getroffen werden, kündigte Gulliver an. Er hatte kürzlich einen möglichen Umzug angesichts strenger gewordener Regulierung und Besteuerung des Bankensektors in Großbritannien ins Gespräch gebracht. In London hat die 1865 gegründete HSBC - kurz für Hongkong and Shanghai Banking Corporation - erst seit 1992 ihren Hauptsitz.

Die Bank wurde 1865 in Hongkong gegründet und musste 1992 nach der Übernahme der britischen Midland Bank nach London umziehen. Die britische Hauptstadt war zu dem Zeitpunkt für Banken wegen der sehr lockeren Vorschriften aber auch sehr beliebt.

Nach der Finanzkrise hat sich das grundlegend geändert, so dass die HSBC wie zum Beispiel auch die Standard Chartered zuletzt immer wieder mit dem Abzug des Firmensitzes gedroht hat. Verschärft wurde die Lage zuletzt vor allem durch einen möglichen EU-Austritt Großbritanniens.

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