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Helle Dächer würden Städte kühlen - und Regen hemmen

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Baku, den 14. Februar (AZERTAG). Helle Hausdächer könnten insbesondere in Städten die Folgen des Klimawandels dämpfen - diese Idee kursiert seit Jahren. Jetzt haben Forscher den Effekt durchgerechnet. Das Ergebnis. Die Temperaturen würden tatsächlich deutlich sinken, doch es gäbe auch gravierende Nachteile.

Es ist nicht allein die globale Erwärmung, die in weiten Teilen der USA die Temperaturen steigen lässt. Allein durch das Wachsen der Städte wird es bis zum Jahr 2100 um ein bis zwei Grad Celsius wärmer werden, in Stadtregionen sogar um bis zu drei Grad, schreiben Forscher im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Sie haben nun den Effekt einer Gegenmaßnahme genauer berechnet, die schon seit längerem vorgeschlagen wird: Stark reflektierende Oberflächen, wie etwa Hausdächer, sollen bis zu 90 Prozent der Sonneneinstrahlung zurückwerfen.

Durch die reflektierenden Flächen heizten sich die Gebäude darunter weniger auf. Diese kühlen Dächer könnten zudem die Umgebungstemperatur um bis zu etwa 1,5 Grad senken, schreiben Matei Georgescu und sein Team von der Arizona State University in Tempe. Um das zu erreichen, müssten allerdings alle Gebäude kühle Dächer haben.

Die Idee geht zurück auf den Physik-Nobelpreisträger und ehemaligen US-Energieminister Steven Chu. Er schlug schon 2009 vor, alle Dächer in Amerika und sogar weltweit mit weißer Farbe zu streichen.

Für ihre Simulationen nutzten Georgescu und sein Team jetzt Klimamodelle und Prognosen zum Wachstum von US-Städten. Die Wissenschaftler nahmen an, dass die Bevölkerungszahl der USA von derzeit etwa 315 Millionen Einwohnern bis zum Jahr 2100 auf 690 Millionen anwachsen wird und sich die Stadtgebiete um 261.000 Quadratkilometer vergrößern - was den Maximalprognosen entspricht.

Ein Dach für jedes Klima - Bei der Dachbedeckung ist es wichtig, einen Blick auf das regionale Klima zu werfen. In Florida mit seiner hohen Luftfeuchtigkeit kühlten reflektierende Dächer nur um 0,2 Grad besser als grüne Dächer, während der Unterschied im trockenen Kalifornien 1,2 Grad betrage. Außerdem müssen jahreszeitliche Temperaturschwankungen berücksichtigt werden. Denn ein Problem der schönen Idee ist: Die Dächer kühlen auch im Winter um bis zu 1,5 Grad und würden dadurch in vielen Regionen den Heizbedarf vergrößern. Begrünte Dächer kühlen den Berechnungen zufolge im Sommer wie im Winter etwas weniger.

Noch gravierender ist, dass gemäß der Simulation der Niederschlag durch kühlende Dächer in Florida um zwei bis vier Millimeter pro Tag geringer ausfallen würde. Auch in vielen anderen Gebieten an der amerikanischen Ostküste würde es weniger regnen. Das Team um Georgescu plädiert deshalb dafür, die Bedingungen jeder städtischen Region genau zu prüfen, bevor etwas gegen die Erwärmung getan werde.

Auch solle weiter an Alternativen im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels geforscht werden. An Ideen mangelt es den Forschern nicht. So schlagen Georgescu und seine Kollegen wasserdurchlässige Oberflächen vor, die bei heftigem Regen ein Überlaufen der Abwasserkanäle verhindern. Außerdem würden sie nach und nach das Wasser wieder an die Luft abgeben und so für ein natürlicheres Klima sorgen.

 

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