GESELLSCHAFT


Höchste Smog-Alarmstufe in China und Indien

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Baku, 25. Dezember, AZERTAC

China meldet in zehn Städten die höchste Smog-Alarmstufe. Auch Indien kämpft mit extremer Luftverschmutzung - hier will selbst der Regierungschef sein Auto stehen lassen.

In mindestens zehn chinesischen Städten ist am Donnerstag wegen starken Smogs die höchste Alarmstufe ausgerufen worden. Das berichteten staatliche Medien. Es ist bereits das vierte Mal in diesem Monat, dass weite Teile des Landes von extremer Luftverschmutzung betroffen sind.

Derzeit meldet die amerikanische Botschaft in der Hauptstadt Peking einen Feinstaubindex von 400. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt einen Höchstwert von 25. Erstmals wurde Anfang Dezember in Peking die höchste Smog-Alarmstufe ausgerufen. Kurz zuvor hatte die Hauptstadt den bisher schlimmsten Smog des Jahres erlebt, als der Feinstaubindex auf Werte von über 600 geklettert war.

Während der höchsten Warnstufe bleiben Schulen und Kindergärten geschlossen, einige Industriebetriebe müssen den Betrieb einschränken oder stoppen. Auch für den Autoverkehr gelten Beschränkungen.

Neu-Delhi: Smoghauptstadt der Welt - Während die Menschen in China bei Smog inzwischen häufig Masken tragen, um ihre Gesundheit zu schützen, haben sich die Menschen in der indischen 17-Millionen-Metropole Neu-Delhi bislang kaum mit dem Thema auseinandergesetzt - dabei gehört die Stadt zu den Städten mit der weltweit schlechtesten Luft. Die WHO kam in einer Studie 2014 zu dem Ergebnis, dass nirgendwo sonst so viel Feinstaub in der Luft ist wie dort. An vielen Tagen ist die Belastung schlimmer als in Peking.

Am Donnerstag kletterte der Index des Ministeriums für Geowissenschaften für den tückischen Feinstaub mit weniger als 2,5 Mikrometer Durchmesser an vielen Orten auf 400 bis 500 Punkte. Nach Angaben mehrerer indischer Zeitungen war der Mittwoch der Tag mit der am stärksten verschmutzten Luft des Jahres.

"Wir husten alle", sagte Regierungschef Arvind Kejriwal. Die besonders kleinen Feinstaubpartikel mit weniger als 2,5 Mikrometern Durchmesser können beim Einatmen bis in die Lungenbläschen gelangen und sind für die menschliche Gesundheit hochriskant. Weltweit wird die zunehmende Umweltverschmutzung inzwischen für drei Millionen Tote pro Jahr verantwortlich gemacht. Die dreckige Luft fördert Herzerkrankungen, Schlaganfälle und Lungenkrebs.

Erstmals erließ die Regierung in Neu-Delhi nun weitreichende Fahrverbote für Privatautos in der Stadt: Ab dem 1. Januar dürfen abwechselnd nur Fahrzeuge mit gerader oder ungerader Zahl auf dem Nummernschild fahren. Wer sich nicht daran hält, muss 2000 Rupien (28 Euro) zahlen. Für indische Verhältnisse ist das viel. Zum Vergleich: Über die rote Ampel fahren kostet nur 100 Rupien.

Der Regierungschef forderte die Bürger der Stadt auf, mehr öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Die Regierung werde 6000 neue Busse und 10.000 neue Auto-Rikschas zulassen. Auch forderte er implizit zum Kauf von Fahrzeugen auf, die die Luft weniger belasten. Elektro-Autos, Hybrid-Autos und mit Gas betriebene Fahrzeuge sind von den Verboten ausgenommen. Ausnahmen gelten unter anderem auch für VIPs - sich selbst zählte Kejriwal aber nicht dazu.

Der Regierungschef erklärte, es komme nun darauf an, dass die Besitzer der rund 2,6 Millionen Autos in Delhi mitmachten. "Wenn jeder die Regeln bricht und die Menschen den Plan nicht akzeptieren, werden wir das Vorhaben abbrechen müssen, wir können das nicht mit dem Schlagstock durchsetzen."

Umweltschützer begrüßten die Maßnahmen, sehen aber weiteren Handlungsbedarf. Neben Autos und Diesellastwagen, die meist dicke Rußwolken ausstoßen, gibt es zahlreiche weitere Feinstaubquellen in Neu-Delhi. Herdfeuer zum Kochen, Feuer zum Wärmen in der Nacht, offenes Müllverbrennen, Kohlekraftwerke und Ziegeleien am Stadtrand, Verbrennen von Stroh auf umliegenden Feldern, Sand aus den Wüsten sowie Staub von den unzähligen offenen Baustellen.

Fahrverbote in Europa - Während der Smog-Index in Indien und China Höchstwerte erreicht, kämpft auch Italien in einigen Städten mit schlechter Luft. Mailand verhängte wegen der hohen Feinstaubbelastung ein dreitätiges Fahrverbot für Privatwagen ab Montag. Auch in Rom wird erwogen, dass die Fahrzeuge ab Montag für zwei Tage jeweils sechs Stunden stillstehen müssen.

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