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Hormone schützen vor Gebärmutterkrebs

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Baku, 6. August, AZERTAC 

Die Pille hat Nebenwirkungen, sie erhöht unter anderem das Risiko einer gefährlichen Thrombose. Doch die Hormone schützen auch vor Gebärmutterkrebs. Forscher vermuten, dass dieser Schutz noch Jahrzehnte nach der Einnahme besteht.

Frauen, die die Antibabypille nehmen, haben anscheinend langfristig ein geringeres Risiko, an Gebärmutterkrebs zu erkranken. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam, das Daten aus 36 Studien ausgewertet hat.

Im Fachblatt „Lancet Oncology“ berichten die Wissenschaftler: In den Industrienationen wurden durch die Pille in den vergangenen 50 Jahren etwa 400.000 Fälle von Gebärmutterkrebs bei Frauen unter 75 Jahren verhindert. Etwa die Hälfe davon im vergangenen Jahrzehnt.

Anders formuliert gilt für Frauen in Industrienationen:

Von 1000 Frauen, die nie die Antibabypille genommen haben, erkranken 23 vor ihrem 75. Geburtstag an Gebärmutterkrebs.

Von 1000 Frauen, die fünf Jahre lang die Antibabypille genommen haben, erkranken 17 vor ihrem 75. Geburtstag an Gebärmutterkrebs.

Von 1000 Frauen, die zehn Jahre lang die Antibabypille genommen haben, erkranken 13 vor ihrem 75. Geburtstag an Gebärmutterkrebs.

Die Forscher konnten auf Informationen von rund 27.000 Frauen zugreifen, die an dem Krebs erkrankt waren, sowie von rund 115.000 Frauen, denen dieses Schicksal erspart blieb. Die Studien, die sie ausgewertet haben, fanden in Nordamerika, Europa, Asien, Australien und Südafrika statt.

Frauen, die in ihren Zwanzigern die Pille genommen hätten, würden noch mit 50 Jahren und auch danach von der Schutzwirkung profitieren, wenn diese Krebsform häufiger auftrete, sagt Valerie Beral von der britischen Oxford University, eine der Leiterinnen der Studie. „Man hatte die Sorge, dass die Pille Krebs auslöst, aber langfristig verringert sie das Risiko.“

Laut der Studie haben seit Einführung der Pille in den Sechzigern etwa 400 Millionen Frauen in Industrienationen das Verhütungsmittel genutzt.

Schutzwirkung auch bei geringerem Östrogengehalt - Obwohl neuere Pillen deutlich geringere Mengen Östrogen enthalten als die der ersten Generation, habe sich die Schutzeffekt nicht verringert, berichten die Forscher zudem.

Gebärmutterkrebs ist die vierthäufigste Krebsform bei Frauen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts erkranken in Deutschland jährlich etwa 11.500 Frauen daran, etwa 2400 von ihnen sterben an dem Krebs.

Als Risikofaktoren für diesen Krebs gelten eine frühe erste Regelblutung sowie ein spätes Einsetzen der Wechseljahre, Kinderlosigkeit, Erkrankungen der Eierstöcke sowie eine Östrogentherapie in den Wechseljahren.

Die Antibabypille hat auch unerwünschte Nebenwirkungen. Unter anderem steigt das Risiko einer Thrombose, bei der ein Blutgerinnsel ein Gefäß verengt oder komplett verstopft.

Von 100.000 Frauen, die keine hormonellen Verhütungsmittel nutzen und nicht schwanger sind, entwickeln innerhalb eines Jahres etwa fünf bis zehn eine Thrombose. Bei 100.000 Frauen, die hormonell verhüten, sind es im selben Zeitraum zwischen 20 und 40.

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