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Hunde kamen einst aus Asien nach Amerika

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Baku, den 10. Juli (AZERTAG). Der Hund wanderte wie der Mensch einst von Asien nach Amerika. Nach Kolumbus trafen viele europäische Hunderassen auf dem Kontinent ein. Doch überraschenderweise haben sie kaum Spuren in den Genen ihrer amerikanischen Artgenossen hinterlassen.

Es gibt noch echte Ur-Amerikaner unter den Hunden: Eine ganze Reihe arktischer Rassen hat sich ihr genetisches Erbe bewahrt und dem Ansturm europäischer Hunde seit Kolumbus getrotzt. Das berichtet eine internationale Forschergruppe jetzt in den „Proceedings of the Royal Society B“. Das Team widerlegt damit die bisher gängige These, nach der sich die amerikanischen mit den europäischen Hunden gemischt haben.

So zeige etwa der mexikanische Chihuahua noch besonders enge verwandtschaftliche Züge mit Hunden, die vor der Ankunft von Christoph Kolumbus durch Mittelamerika streiften. Das konnte die Gruppe um Peter Savolainen vom Royal Institute of Technology im schwedischen Solna mit Hilfe von Erbgutanalysen nachweisen. Insgesamt belegen die Gene der Tiere, dass die Vorfahren der ersten amerikanischen Hunde mit dem Menschen aus Asien kamen.

Kaum europäische Spuren im Erbgut - Lange Zeit hatten Experten vermutet, dass das Eindringen europäischer Hunde nach der Kolonisierung Amerikas das Ende der ursprünglichen Hunderassen bedeutet hat. Darauf hätten genetische Studien von Haushunden und freistreunenden Hunden gedeutet, schreibt das Team. Die neue Studie mit Daten von rund 2500 Hunden aus Afrika, Asien, Europa und Amerika widerspricht dieser Annahme nun.

Die Forschergruppe hat das Mitochondrien-Erbgut vieler alter amerikanischer Rassen untersucht – zum Beispiel vom Inuit-, Eskimo- und Grönlandhund, dem Malamut aus Alaska, dem mexikanischen Chihuahua und dem haarlosen Perro sin Pelo aus Peru sowie dem Xoloitzcuintle aus Mexiko. Mitochondrien werden über die Mutter an die Nachkommen weitergegeben. Sie fungieren als Kraftwerke der Zellen und sind unter anderem für die Energiegewinnung zuständig.

Schützenswerter Rest ur-amerikanischer Kultur - Der Vergleich mit dem Erbgut anderer Rassen zeigt. Die arktischen Rassen zählen so gut wie keine europäischen Hunde zu ihren Vorfahren. Insgesamt war der europäische Einfluss auf die amerikanischen Hunderassen erstaunlich gering. Nur 30 Prozent der untersuchten Hunde hatten weibliche Vorfahren, die über den Atlantik gekommen waren.

Besonders stabile Gene hat der Chihuahua. Der genetische Vergleich mit archäologischen Funden aus der Zeit vor Kolumbus offenbart, dass diese Rasse ihr genetisches Erbe seit langer Zeit bewahrt hat.

Außerdem deuten die verwandtschaftlichen Bindungen, die sich in den Zellen einiger freilebender Hunderassen bewahrt haben, auf einen Ursprung in Asien hin. Denn viele dieser Rassen haben gemeinsame Erbgutsegmente mit Hunderassen aus Ostasien und Sibirien. Wahrscheinlich besiedelte der Hund also einmal zusammen mit dem Menschen von Asien aus kommend Amerika.

Während die meisten untersuchten herumstreunenden Hunde einen europäischen Ursprung hätten, gebe es etwa in Mexiko und Bolivien Hunde amerikanischer Abstammung, berichten die Forscher. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass amerikanische Hunde ein Rest der ursprünglichen amerikanischen Kultur sind“, kommentiert Savolainen. „Das zeigt, wie wichtig es ist, ihre Populationen zu erhalten.“

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