WISSENSCHAFT & TECHNOLOGIE


Im Jahr 1257 gab es ein Jahr ohne Sommer

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Baku, den 14. März (AZERTAG). Es war der wohl schwerste Vulkanausbruch der vergangenen 7000 Jahre: Im Jahr 1257 gab es ein Jahr ohne Sommer, weil Asche den Himmel rund um den Globus schwärzte. Jetzt kennt man den Verursacher.

Die Isotopenverhältnisse in den Jahresschichten von Bohrkernen aus den Eismassen Grönlands und der Antarktis sind ein wichtiges Hilfsmittel bei der Rekonstruktion von Klimaparametern längst vergangener Zeiten. In den Bohrkernen findet man immer wieder Lagen mit ungewöhnlich hohen Konzentrationen an Schwefelsäure und feinen Aschepartikeln. Diese werden als aus der Luft ausgewaschene Aerosole gedeutet, die ursprünglich bei großen Vulkanausbrüchen hoch in die Atmosphäre geschleudert wurden.

So gibt es beispielsweise in nahezu allen erbohrten Eiskernen erhöhte Aerosolkonzentrationen in den Schichten aus den Jahren 1815 und 1883. Damals brachen zunächst der Vulkan Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa und dann der Krakatau in der Sunda-Straße in gewaltigen Eruptionen aus. Auch größere Vulkanausbrüche der jüngeren Geschichte, so der des Pinatubo auf den Philippinen im Jahre 1991, hinterließen in den Eisschichten deutliche schwefelige Aschespuren. Eine besonders markante Aerosolschicht, die sich in nahezu allen Eiskernen findet, konnte jedoch bisher keiner Eruption zugeordnet werden. Jetzt hat eine internationale Forschergruppe deutliche Hinweise dafür gefunden, dass ein riesiger Ausbruch des Vulkans Rinjani auf der indonesischen Insel Lombok im Jahre 1257 die Quelle dieser Schicht gewesen war.

Unter den mehr als sechzig aktiven Vulkanen Indonesiens ist der Rinjani einer der eindrucksvollsten. Mit einer Höhe von mehr als 3700 Metern dominiert er das zu den kleinen Sundainseln gehörende Eiland Lombok. Statt eines Kraters gibt es in seinem Inneren eine sechs Kilometer große Caldera, die zum größten Teil vom hufeisenförmigen See Segara Anak ausgefüllt wird. Der See ist stellenweise mehr als 200 Meter tief, und in ihm sprudeln heiße Quellen. Den Rest der Caldera nimmt der große Aschekegel Gunung Barujari ein, das gegenwärtige Ausbruchszentrum des Vulkans. Die letzte nennenswerte Eruption gab es dort im Frühjahr 2010, als es in der Caldera und in der Umgebung des Vulkans Asche regnete. Über die ältere Ausbruchsgeschichte des Rinjani war bislang aber wenig bekannt. In einigen alten Aufzeichnungen aus Bali und Java ist von einem schweren Vulkanausbruch im 13. nachchristlichen Jahrhundert die Rede. Er soll östlich dieser beiden Inseln, also möglicherweise auf Lombok stattgefunden haben. Dabei soll auch das sagenumwobene Königreich auf der kleinen Insel vernichtet worden sein.

Die Wissenschaftler um Franck Lavigne von der Universität Paris haben die bisher nicht zugeordneten Aschepartikeln aus mehreren Eisbohrkernen detailliert chemisch untersucht und mit Asche von den Hängen des Rinjani verglichen. Wie sie in den „Proceedings“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften berichten, sind die chemischen Zusammensetzungen identisch. Weil die Aerosol- und Aschekonzentration in den Schichten aus dem Jahr 1257 außergewöhnlich groß ist, muss es sich um einen äußerst schweren Ausbruch gehandelt haben. Mit Hilfe von Computermodellen konnte die Gruppe nachweisen, dass es sich bei der damaligen Eruption des Rinjani wohl um den schwersten Vulkanausbruch der vergangenen 7000 Jahre gehandelt hat. Insgesamt müssen dabei etwa 40 Kubikkilometer Asche bis zu 43 Kilometer hoch in die Atmosphäre geschleudert worden sein. Im Vergleich dazu gelangten beim Ausbruch des Krakatau etwa zwölf, bei der Eruption des Pinatubo etwa fünf Kubikkilometer Asche in die Atmosphäre.

Nach den Computermodellen muss der Rinjani bis zu dem Ausbruch vor 750 Jahren noch völlig anders ausgesehen haben als heute. Damals thronte er wie der Fudschijama als ebenmäßiger Kegel über der Insel und übertraf dabei den klassischen Vulkan in Japan sogar noch weit an Höhe. Der Ausbruch im Jahre 1257 war dann so gewaltig, dass der Rinjani seinen Gipfel vollkommen wegsprengte und dabei die heute so beeindruckende Caldera hinterließ.

 

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