GESELLSCHAFT


Immunsystem beeinflusst das Fett an unserem Körper

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Baku, den 10. Juni (AZERTAG). Bislang ging man davon aus, dass Gehirn und endokrines System den Energiestoffwechsel steuern. Doch: Auch das Immunsystem beeinflusst das Fett an unserem Körper – das könnte gezielt eingesetzt werden.

Dickmacher oder Kalorienverbrenner? Das Immunsystem beeinflusst mit, welche Fettdepots ein Körper anlegt. Botenstoffe des Systems stimulieren bei Mäusen den Umbau von weißem zu beigem Fett, berichten zwei Forschergruppen im Fachmagazin „Cell“.

Zuvor habe als Dogma gegolten, dass Ernährung und Energiestoffwechsel hauptsächlich vom Gehirn und vom endokrinen System gesteuert werden. Weißes Fettgewebe macht dick, weil darin Energie gespeichert wird. In braunem und beigem Fett hingegen werden Kalorien verbrannt.

Babys haben große Mengen braunen Fettgewebes, das sie vor Kälte schützt: Die Zellen verbrennen Kalorien, Energie wird in Form von Wärme frei. Die Hüftpolster und Bierbäuche Erwachsener hingegen bestehen aus weißem Fett, das überschüssige Energie speichert.

Vor einigen Jahren entdeckten Forscher einen dritten Typ: das beige Fettgewebe. Es entwickelt sich aus weißem Fett, verbrennt aber wie braune Fettzellen Kalorien.

Für die Medizin ist es hochinteressant, dass ungeliebte Energiedepots des Körpers in kalorienfressende Heizkraftwerke umgewandelt werden können. In der Folge purzeln die Pfunde. Studien zeigten, dass dies zum Beispiel bei Menschen geschieht, die in 16 bis 17 Grad kühlen Räumen lebten, statt die Heizung auf Wohlfühltemperatur zu stellen.

Eine Gruppe um Bruce Spiegelman vom Dana-Farber-Krebsinstitut und der Harvard Medical School in Boston untersuchte nun die Rolle des kürzlich entdeckten Proteins PGC-1alpha4, das beim Muskelwachstum bedeutsam ist.

Das Protein stimuliere die Freisetzung eines neu identifizierten Hormons, des Metrnl, schreiben die Forscher. In Muskeln werde es nach körperlicher Anstrengung, in Fettgewebe in kalter Umgebung gebildet.

Metrnl sorge dafür, dass weißes Fett in beiges Fett umgewandelt werde. Damit steige der Energieverbrauch – im Tierversuch schrumpften die Fettdepots übergewichtiger Mäuse.

Die Wirkung des Hormons gehe auf Bestandteile des Immunsystems zurück: Es aktiviere die Botenstoffe Interleukin-4 und -13 sowie sogenannte Makrophagen – Fresszellen – im Fettgewebe.

Forscher um Ajay Chawla von der University of California in San Francisco folgten Hinweisen darauf, dass das Immunsystem auf Kälte mit einer Aktivierung des braunen Fettgewebes reagiert. Auch ihre Analyse zeigte die Bedeutung von Interleukin-4 und -13 für diesen Prozess.

Mäuse mit gestörten Signalwegen des Immunsystems produzieren demnach weniger beiges Fett, setzen weniger Energie um und können ihre Körpertemperatur schlechter an Kälte anpassen. Wird ihnen Interleukin-4 verabreicht, verringern sich diese Effekte.

Die Forscher hoffen, die Umwandlung von weißem zu beigem Fetts künftig über Schaltstellen im Immunsystem auch beim Menschen gezielt und ohne Kälteeinfluss in Gang setzen zu können.

Das wäre ein neuer Ansatzpunkt gegen Übergewicht und damit verbundene Folgeleiden wie Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und Arteriosklerose. Studien weisen darauf hin, dass Übergewichtige kaum braunes Fettgewebe besitzen.

„Wenn man den Energieverbrauch um einige Prozent steigern könnte, würde das über einen Zeitraum von ein oder zwei Jahren schon einen großen Unterschied machen“, wird Chawla in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. Ein Pluspunkt sei dabei, dass sich das Immunsystem wahrscheinlich leichter manipulieren lasse als das Nervensystem.

 

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