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In China werden Darmbakterien entdeckt

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Baku, 23. November, AZERTAC 

In China wurden Darmbakterien entdeckt, gegen die selbst hochwirksame Antibiotika nicht helfen. Die Keime tragen zudem ein Resistenz-Gen in sich, das leicht auf andere Erreger übergehen könnte. Experten befürchten eine post-antibiotische Ära.

Wenn sich die mutierten Erreger weiter derart ausbreiten, könnten weltweit bereits 2050 ähnlich viele Menschen an ihnen sterben wie an Krebs, warnte eine Forscherin der Umweltmedizin der Berliner Charité im Juni 2015. Dass solche Schätzungen keine Übertreibungen sind, haben nun Wissenschaftler aus China gezeigt. Sie entdeckten ein besonders leicht übertragbares Gen, das Krankheitserreger immun gegen hochwirksame Antibiotika werden lässt.

Aufgefallen ist den Wissenschaftlern das Gen namens MCR-1 bei Routineuntersuchungen von Schweinen und Hühnern in fünf Provinzen in Südchina. Die Tiere trugen ungewöhnlich häufig resistente Formen des Darmbakteriums Escherichia coli (E. coli) in sich, die auch nicht auf das Antibiotikum Colistin reagierten. Als die Forscher die resistenten Keime genauer untersuchten, stellten sie fest: Alle trugen Plasmide mit dem Gen MCR-1 in sich.

Resistente Keime auch beim Menschen entdeckt - So werden Bakterienstämme nicht nur gegen Colistin sondern gleich gegen eine ganze Antibiotika-Familie resistent, die sogenannten Polymyxine. Diese werden bei Patienten mit multiresistenten Keimen erst als letzter Ausweg eingesetzt.

Besonders bedenklich: Da das Resistenz-Gen auf Plasmiden sitzt, einer Art mobiler DNA, die leicht kopiert werden kann, kann es schnell von einer Bakterienart an andere weitergegeben werden. So fanden die Forscher MCR-1 später auch in Proben des Darmbakteriums Klebsiella pneumoniae.

Insgesamt trugen 20 Prozent der untersuchten Tiere E.-coli-Bakterien mit dem Resistenz-Gen in sich. Außerdem fanden die Forscher diese in 15 Prozent der Proben von rohem Fleisch. In Krankenhäusern der Provinzen Guandong und Zhejiang wurde MRC-1 außerdem bei 16 von 1322 menschlichen Proben entdeckt - das entspricht einem Anteil von einem Prozent.

Neue Debatte um Antibiotika-Einsatz in der Tiermast - "Das sind extrem besorgniserregende Ergebnisse", sagt Liu Jian Hua, Hauptautor der Studie. Weil das Gen so leicht weitergegeben werde kann, habe es "Epidemie-Potenzial", schreiben die Forscher im Fachmagazin "The Lancet Infectious Diseases". Bisher war eine solche Resistenz nur durch Mutationen in einzelnen Organismen aufgetreten, womit ihre Übertragbarkeit extrem begrenzt war.

Der Studie zufolge kommt das Gen bisher nur in China vor, seine weltweite Verbreitung sei aber wahrscheinlich. "Wenn MCR-1 sich weltweit verbreitet, was nur eine Frage der Zeit ist, dann wird es sich unvermeidlich mit anderen Genen der Antibiotika-Resistenz verbinden. Dann werden wir sehr wahrscheinlich den Beginn der post-antibiotischen Ära erreichen", sagt Timothy Walsh von der Universität Cardiff, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Die Veröffentlichung wird die Debatte um den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung weiter befeuern. Dass dort so häufig Antibiotika eingesetzt werden, trägt mit dazu bei, dass resistente Erreger entstehen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat bereits vor einer "Rückkehr in Vor-Antibiotika-Zeiten" gewarnt, in denen sich schon geringfügige Infektionen oder Schnittverletzungen als tödlich erweisen könnten.

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