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In Rio de Janeiro protestieren Hunderte Menschen gegen Fahrpreiserhöhungen

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Baku, den 7. Februar (AZERTAG). Bus und Bahn in Rio de Janeiro sollen teurer werden. Hunderte Menschen haben dagegen demonstriert. Am Rande der Proteste lieferten sich Randalierer Zusammenstöße mit der Polizei, ein Kameramann wurde schwer verletzt. Zur Fußball-WM im Sommer drohen neue Unruhen.

Bustickets in Rio de Janeiro werden ab diesem Freitag umgerechnet acht Cent teurer. Statt 2,75 Reais sollen Fahrkarten künftig 3 Reais kosten, das sind umgerechnet etwa 92 Cent. Diese Preiserhöhung hat Hunderte Brasilianer so erbost, dass sie dagegen protestierten.

Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei sind am Donnerstag mindestens sieben Menschen verletzt worden. Ein Kameramann wurde von einem Sprengsatz am Kopf getroffen und erlitt schwerste Verletzungen. Nach Angaben von Ärzten verlor der Mann ein Ohr und musste am Gehirn operiert werden. Die Sicherheitskräfte nahmen mehr als 20 Menschen fest.

Der Protest hatte zunächst friedlich begonnen. Hunderte Menschen versammelten sich vor der Candelaria-Kathedrale im Zentrum Rios und zündeten dort Kerzen an. Dann marschierten sie zum Hauptbahnhof und riefen „Wir zahlen keine drei Reais“. Dort sollen einige Randalierer angefangen haben, Fahrkartenautomaten zu zerstören und Geschäfte zu plündern. Die Polizei setzte Tränengas ein, aus den Reihen der Demonstranten flogen Molotow-Cocktails in Richtung der Sicherheitskräfte.

Es waren die schwersten Unruhen in Brasilien seit der Protestwelle im Sommer vergangenen Jahres. Auch damals hatten Preiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr die Proteste ausgelöst. Die Behörden in São Paulo wollten damals die Fahrkarten für Busse und Bahnen teurer machen. Nach wochenlangen Demonstrationen nahmen sie die Preiserhöhungen zurück.

Der Mindestlohn in Brasilien liegt bei 724 Reais. Manche Pendler müsse daher ein Sechstel ihres Gehalts allein für Fahrtkosten ausgeben. Trotzdem sind die Züge meistens überfüllt, kommen oft zu spät und sind in einem schlechten Zustand.

Im Kern geht es bei den Unruhen jedoch um etwas anderes: Viele Brasilianer werfen der Regierung vor, zu viel Geld in Prestigeprojekte für die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 zu stecken. So riefen auch am Donnerstag die Demonstranten in Rio: „Wir wollen Krankenhäuser mit Fifa-Standard.“ Damit verwiesen sie darauf, dass Brasilien viel Geld ausgibt, damit die Fußballstadien internationalen Anforderungen genügen. Die staatliche Infrastruktur kann damit jedoch nicht mithalten.

Ein Protestler kündigte in der Zeitung „O Globo“ bereits an: „Wenn die Weltmeisterschaft beginnt, wird es noch mehr Demonstrationen geben. Die WM verstärkt die Ungleichheit.“

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