GESELLSCHAFT


In der Ukraine ein Baby mit drei Eltern geboren

Baku, 19. Januar, AZERTAC

In der Ukraine ist ein Baby mit zwei Müttern und einem Vater geboren worden. Alle drei Elternteile sind mit dem Kind genetisch verwandt. Kritiker sind entsetzt.

In der Ukraine ist ein Kind auf die Welt gekommen, das drei genetische Eltern hat: seine leibliche Mutter, seinen leiblichen Vater und eine Eizellspenderin. Wie die britische "Times" berichtet, hatte die Frau zuvor mehr als zehn Jahre lang versucht, von ihrem Partner schwanger zu werden. Der Junge wurde am 5. Januar in Kiew geboren.

Er ist damit das zweite Kind weltweit, das drei genetische Eltern hat. Im September 2016 war bereits in Mexiko ein Baby zur Welt gekommen, das das Erbgut seiner leiblichen Eltern und das einer Eizellspenderin trägt. Grund für den Eingriff war damals eine Erbkrankheit der Mutter, die sie zuvor bereits auf zwei Kinder übertragen hatte.

Bei der Frau in Kiew liegt nun aber offenbar keine genetische Krankheit zugrunde. Die 34-Jährige hatte nach Angaben ihres Arztes Valery Zukin, der die Nadiya Clinik in Kiew leitet, vier künstliche Befruchtungen hinter sich gebracht. Aber keiner der strapaziösen Eingriffe hatte Erfolg.

Umstrittene Methode, umstrittener Einsatz - Die Ärzte in Kiew entschieden sich daher für die umstrittene Methode. Sie befruchteten zunächst eine Eizelle der Mutter mit einem Spermium ihres Partners. Diese wurde dann in eine entkernte Eizelle einer Spenderin übertragen, die der Mutter eingepflanzt wurde. Es entstand eine intakte Schwangerschaft.

Zukin betreut nach eigenen Angaben an seiner Klinik noch eine weitere Frau, die auf diese Weise schwanger geworden ist. Sie erwartet ihr Kind Anfang März.

Experten halten das Vorgehen der ukrainischen Ärzte für höchst fragwürdig. Britische Mediziner und Ethiker etwa hatten jahrelang um die Frage gerungen, ob es Paaren mit genetischen Erkrankungen ermöglicht werden sollte, mithilfe einer Eizellspende gesunde Kinder zu zeugen. Dabei geht es um Erkrankungen, die mit den sogenannten Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, vererbt werden. Diese haben eine eigene DNA, die die Eizellspenderin bei den Drei-Eltern-Kinder an das Baby vererbt.

Im Dezember 2016 entschied sich die britische Ethikkomission der Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA) dafür, diese Methode im "vorsichtigen Einsatz" und "unter besonderen Umständen" zuzulassen.

Mit dem Paar in Kiew haben die ukrainischen Ärzte den Einsatz der Methode deutlich ausgeweitet. "Es ist wie der Beginn einer neuen Ära", zitiert die "Times" Reproduktionsmediziner Zukin. "Zuvor konnten wir nur die Auswahl der Embryonen verbessern. Aber jetzt eröffnet sich uns die Möglichkeit, die Embryonen zu verbessern."

Schnell laut wurde Kritik daran, die ohnehin umstrittene Methode zur Behandlung von Unfruchtbarkeit einzusetzen. Aber auch die Machbarkeit stellten Experten in Frage: "Wahrscheinlich kann nur die Minderheit der unfruchtbaren Paare, wenn überhaupt, von diesem Vorkern-Transfer profitieren", sagte Dagan Wells, Reproduktionsgenetiker an der University of Oxford, zur "Times". Und Adam Balen, Vorsitzender der British Fertility Society, sagte zur britischen BBC, es handele sich dabei um "etwas, das extrem sorgfältig durchdacht und mit viel Vorsicht behandelt" werden müsse.

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