WIRTSCHAFT


Indiens Wachstumsprognose

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Baku, den 14. September (AZERTAG). Der große Boom der Schwellenländer ist vorerst vorbei, das zeigt sich auch in Indien. Die Regierung korrigierte ihre Wachstumsprognose um mehr als einen Prozentpunkt nach unten. Für zwei Drittel der Inder lief ein Ernährungsprogramm an.

Ein Beratergremium des indischen Ministerpräsidenten Manmohan Singh hat am Freitag die Wachstumsprognose für das bis März 2014 laufende Haushaltsjahr von 6,4 auf 5,3 Prozent gesenkt. Die Korrektur deckt sich mit den Vorhersagen von Banken-Ökonomen und Zentralbank.

Indien leidet wie andere Schwellenländer unter dem erwarteten Ausstieg der US-Notenbank Fed aus ihrer ultralockeren Geldpolitik. Flossen zwischen November 2008 und April 2013 rund 2,1 Billionen Dollar in die zehn größten asiatischen Länder, so wurden seitdem 86 Milliarden Dollar wieder abgezogen. Das brachte die Landeswährung Rupie unter starken Abwertungsdruck. Sie verlor seit Jahresbeginn im Vergleich zum Dollar um 14 Prozent an Wert. Das verteuert Importe, treibt die Inflation hoch und schmälert die Kaufkraft der Verbraucher.

Angesichts der schwächeren Konjunktur halten die Regierungsberater auch das Erreichen der Defizitziele für schwierig. Finanzminister P. Chidambaram will die Neuverschuldung nicht über 4,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen lassen. Experten wie PhillipCapital-Chefvolkswirt Anjali Verma rechnen jedoch mit einem Minus von 5,5 Prozent.

Bereits im zweiten Quartal hatte sich die Konjunktur weiter abgekühlt. Das Wachstum der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens fiel mit 4,4 Prozent so schwach aus wie seit der Finanzkrise vor über vier Jahren nicht mehr. Die jüngsten Daten fielen allerdings wieder besser aus. Die Autoproduktion zog im August ebenso an wie die Exporte.

Zwei Drittel der Inder werden künftig pro Monat fünf Kilogramm Getreide zu Cent-Preisen erhalten. Nach der Zustimmung der beiden Kammern des indischen Parlaments habe Präsident Pranab Mukherjee das Gesetz unterschrieben, berichteten indische Medien am Freitag. Damit tritt das Ernährungsprogramm für 820 Millionen Menschen in Kraft.

Nach Angaben der Weltbank lebt ein Drittel der weltweit Armen in Indien, etwa die Hälfte der Kinder ist unterernährt und zu klein. Kritiker bewerten das 16 Milliarden Euro teure Mammutprojekt jedoch vor allem als Wahlkampfgeschenk der Regierung vor der Wahl im Frühjahr 2014 und halten es wegen der schlechten Infrastruktur für kaum umsetzbar. Im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass in Indien Millionen Tonnen von Getreide verrotten, weil es zu wenige Lagerkapazitäten gibt.

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