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Intelligenz liegt mehr in den Genen als gedacht

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Baku, den 14. Juli (AZERTAG). Gene oder Umwelteinflüsse – was spielt bei der Intelligenz eine größere Rolle? Studien mit Schimpansen liefern Aufschlüsse, da bei ihnen Schulbildung oder soziokulturelle Unterschiede unwichtig sind.

Intelligenz ist auch bei Schimpansen zum Teil erblich. Etwa die Hälfte der individuellen Intelligenz-Unterschiede zwischen einzelnen Schimpansen geht nach Angaben von US-Forschern auf genetische Unterschiede zurück.

Umwelteinflüsse spielten für die Entwicklung der Intelligenz scheinbar eine kleinere Rolle als bisher angenommen. Die Forscher stellen ihre Studie im Fachblatt „Current Biology“ vor.

Ob Intelligenz erblich ist oder durch Umwelt und Erziehung vermittelt wird, war lange Zeit umstritten. Für Menschen gehen Fachleute heute davon aus, dass eine Mischung von beiden Faktoren zutrifft: Der IQ ist demnach erblich, kann aber durch nicht-genetische Einflüsse verändert werden.

Inwieweit das auch für Tiere, speziell für andere Primaten gilt, sei bisher wenig untersucht worden, schreiben William Hopkins und seine Mitarbeiter von der Georgia State University in ihrem Artikel.

99 Schimpansen getestet - Sie unterzogen nun insgesamt 99 Schimpansen (Pan troglodytes) von neun bis 54 Jahren einem Intelligenztest, bei dem die Tiere 13 unterschiedliche Aufgaben lösen mussten. Anschließend verknüpften die Forscher den Grad der Verwandtschaft der Tiere und ihr Abschneiden in den einzelnen Aufgaben miteinander.

Ein Teil der Tiere war von Menschen aufgezogen, ein Teil in Gefangenschaft von ihren Müttern. Einige der älteren Tiere waren noch in der Wildnis gefangen und vor 1974 in die USA gebracht worden.

Erwartungsgemäß schnitten einige Tiere in dem Test besser ab als andere. Geschlecht oder Herkunft beeinflussten das Ergebnis nicht. Einige, aber nicht alle der geistigen Eigenschaften erwiesen sich als erblich, berichten die Forscher.

„Welche Gene genau den beobachteten individuellen Unterschieden zugrunde liegen, ist nicht klar“, sagte William Hopkins, Erstautor der Studie, laut einer Pressemitteilung des Fachmagazins.

Suche nach Kandidaten-Genen - „Die weitere Verfolgung dieser Frage führt vielleicht zur Entdeckung von Kandidaten-Genen, die sich im Verlauf der Evolution des Menschen geändert haben und die Entwicklung von einigen, für den Menschen typischen Spezialisierungen des Erkenntnisvermögens ermöglicht haben.“

Will man den genetischen Einfluss auf die Intelligenz untersuchen, seien Studien an Schimpansen besonders hilfreich, da Faktoren wie Schulbildung oder soziokulturelle Unterschiede bei den Tieren keine Rolle spielten, erläutert Hopkins.

Schimpansen ähneln uns ansonsten sehr. Ihr Erbgut stimmt zu 99 Prozent mit dem des Menschen überein. Sie sind damit unsere nächsten Verwandten. Sie gelten als sozial und intelligent. Schimpansen leben in Afrika sowohl in der Savanne als auch im tropischen Regenwald.

Durch Zerstörung ihres Lebensraums, Wilderei und Handel mit lebenden Tieren hat der Bestand stark abgenommen. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) schätzt, dass es noch etwa 170.000 bis 300.000 Schimpansen gibt.

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