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Internet bis in den letzten Winkel der Erde

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Baku, den 4. Juli (AZERTAG). Ob mithilfe von Drohnen, Gasballons oder Satelliten. Google will die entlegensten Regionen mit Highspeed-Internet versorgen. Es ist ein gigantisches Projekt, das die ganze Welt umspannt.

„World Wide Web“ – kurz: WWW – das steht für ein großes Versprechen: Überall auf der Welt online sein zu können, jederzeit vernetzt zu sein. Dass dieses Versprechen noch längst nicht Realität ist, weiß jeder, der schon mal in Afrika oder Südamerika abseits der Metropolen unterwegs war. Und zumindest das schnelle DSL sowie das mobile Internet sind selbst in Deutschland in ländlichen Regionen nicht überall verfügbar.

Da klingt das, was der kalifornische Internetgigant Google vorhat, wie ein Traum, wie eine Art sozialistische Utopie: Highspeed-Internet für alle verspricht das Unternehmen, auch die entlegensten Regionen der Erde sollen per Funk an das World Wide Web angeschlossen werden.

Möglich machen soll das eine Flotte aus zunächst 180 kleinen, leistungsstarken Telekommunikationssatelliten, die der Internetkonzern gemeinsam mit Kooperationspartnern in den kommenden Jahren in die Erdumlaufbahn schießen will.

Die Trabanten sollen die Erde auf Umlaufbahnen umkreisen, die niedriger sind als die herkömmlicher Satelliten, und schnelle Internetanbindungen vor allem in Entwicklungsländer bringen, wo es noch keine entsprechende Versorgung gibt.

Die Idee an sich ist gar nicht so neu: Bereits um die Jahrtausendwende machte das Satellitenunternehmen Teledesic ähnliche Pläne öffentlich, geriet allerdings aufgrund von technischen Problemen und einer völlig überdimensionierten Planung in finanzielle Schieflage und beendete im Jahr 2002 das Vorhaben.

Google will rund 2,2 Milliarden Euro investieren - Am nötigen Kleingeld wird es dagegen bei Google nicht scheitern – das Unternehmen verfügt über immense Reserven. Laut derzeitigen Planungen will der Internetkonzern drei Milliarden US-Dollar (rund 2,2 Milliarden Euro) investieren, um die technischen Probleme zu überwinden, die die bisherigen Bemühungen vereitelt hatten.

Dazu heuerte das Unternehmen bereits mehrere renommierte Satellitenspezialisten an. Google unterhält für das Projekt ein Satelliten-Venture, das von dem einstigen Gründer des Start-up-Unternehmens O3b Networks geführt wird. Auch der frühere Technikchef von O3b ist dem Vernehmen nach mit an Bord, genau wie Ingenieure der Satellitenfirma Space Systems/Loral.

Zudem hat Google Anfang Juni für rund 500 Millionen Euro das Satellitenunternehmen Skybox übernommen. In erster Linie will Google mithilfe des auf Satellitenfotos spezialisierten Unternehmens seinen Kartendienst Google Maps verbessern und weiteres hochauflösendes Bildmaterial für die Erweiterung von Google Earth gewinnen. Zugleich will der Internetkonzern aber auch das Satelliten-Know-how von Skybox nutzen, um seine Netzwerkpläne weiter voranzutreiben.

Vom Suchmaschinengiganten zum Netzanbieter zu werden – an diesem Ziel arbeitet Google gleich mehrfach. Denn die Pläne für die Internetversorgung via Satellit sind nicht der erste Versuch des Onlinekonzerns, in entlegene Regionen der Welt vorzustoßen.

Ballons tragen Antennen für Internetempfang - Vor rund einem Jahr stellte das hauseigene Forschungslabor das Projekt Google Loon vor. Dabei schweben große, gasgefüllte Ballons, die Antennen für den Internetempfang tragen und wiederum per Funk mit Empfängerstationen auf der Erde verbunden sind, in 20 Kilometern Höhe über dem Erdboden. Erste Praxistests in Neuseeland sind bereits abgeschlossen. Was angesichts der neuen Satellitenpläne mit Google Loon passiert, ist noch unklar.

Zudem übernahm Google im April den Drohnenhersteller Titan Aerospace. Das britische Start-up, das dem Suchmaschinenkonzern dem Vernehmen nach mehr als 60 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 45 Millionen Euro) wert war, arbeitet an Drohnen, die mithilfe von Solarenergie bis zu fünf Jahre in der Luft bleiben sollen.

Die unbemannten Flugzeuge sollen in einer Höhe von rund 19 Kilometern über der Erdoberfläche fliegen und bieten vielseitige Einsatzmöglichkeiten: Mit der entsprechenden Netzwerk-Infrastruktur versehen, könnten sie einerseits großen Gebieten den Zugang zum Handynetz sowie zum Internet ermöglichen. Außerdem könnten die Drohnen auch Daten für Wetterprognosen sammeln oder Luftaufnahmen anfertigen für Dienste wie Google Maps.

Es zählen die neuen Nutzer - Die Roboterflugzeuge haben durchaus ihre Vorteile: Sie sind wendiger und damit leichter zu steuern als Ballons, deutlich wirtschaftlicher als Satelliten – und sie können für Reparaturen auf die Erde zurückkehren.

Auf seiner Internetseite wirbt Titan Aerospace damit, dass die Drohnen des Unternehmens eine Internetgeschwindigkeit von bis zu ein Gigabit pro Sekunde gewährleisten könnten. Dies wäre deutlich schneller als das, was die Breitbandnetze in den meisten Industrieländern derzeit zu leisten imstande sind.

Möglich machen sollen das spezielle, neuartige Kommunikationssysteme, zu deren genauer Funktionsweise Titan allerdings keine Angaben macht. Laut Unternehmensangaben soll die Vermarktung bereits im kommenden Jahr starten.

In den USA baut Google derzeit zudem in mehreren Städten ein schnelles Glasfasernetz auf. Google Fiber ist bereits in drei Städten verfügbar, neun weitere sollen folgen. Doch egal ob US-Amerikaner mit schnellem Internet versorgt werden oder Menschen in abgelegenen Regionen der Erde: Für Google zählen weniger das neue Geschäftsfeld als vielmehr die neuen Nutzer an sich, die auf diese Weise gewonnen werden können.

 

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