WISSENSCHAFT & TECHNOLOGIE


Jährliche Messungen über die Erdtemperaturen im Jahresverlauf

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Baku, den 20. November (AZERTAG). Aus der Kruste einer Alge wollen Forscher das Klima der vergangenen 1000 Jahre ableiten können. Kalzium und Magnesium weisen ihnen dabei den Weg und ergänzen die Berichte von Seefahrern.

Eine bestimmte Algenart aus der Arktis kann offenbar detailliert Aufschluss über die Klimaentwicklung im Verlauf von Jahrhunderten geben. Aus der Calcitkruste können Forscher ermitteln, wie viel Licht und Wärme die extrem langlebige Alge pro Jahr erhielt. Das berichten Wissenschaftler aus Kanada, den USA und Deutschland in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“). Demnach schwindet die Eisdecke der Arktis derzeit in Rekordtempo – zumindest im Vergleich zu den vergangenen 650 Jahren.

Jährliche Messungen über die Erdtemperaturen im Jahresverlauf gibt es erst seit etwa 150 Jahren. Zuverlässige Informationen zur Eisdecke der Arktis liefern Satelliten sogar erst seit den 1970er Jahren. Frühere Daten zum dortigen Klima können Forscher nur indirekt ableiten, etwa aus Berichten von Seefahrern. Die Forscher um Jochen Halfar von der University of Toronto untersuchten nun die Alge Clathromorphum compactum, die zu den Rotalgen zählt. Sie wächst in arktischen und subarktischen Küstengewässern in etwa 15 Metern Tiefe und kann mehr als 1000 Jahre alt werden.

Die Alge bildet eine feste Calcitkruste mit jährlichen Wachstumslagen, deren Dicke und Zusammensetzung von Licht und Wärme abhängt. Gefriert die Meeresoberfläche, so nehmen Helligkeit und Temperatur drastisch ab. Die Alge stellt ihr Wachstum ein und nimmt es erst in den wärmeren Monaten nach der Eisschmelze wieder auf. „Das ist das gleiche Prinzip, wie wenn wir Ringe nutzen, um das Alter eines Baums und Niederschlagsmengen abzuleiten“, erläutert Halfar.

Klima der letzten 1000 Jahre ablesbar - Die Forscher untersuchten bei drei Exemplaren die einzelnen Schichten mit einem Spezialmikroskop nicht nur auf ihre Dicke, sondern auch auf das Verhältnis von Kalzium und Magnesium. Der Gehalt des eingelagerten Magnesiums steigt mit Temperatur und Licht. Resultat: Während der Kleinen Eiszeit – also vor allem von Mitte des 16. bis Mitte des 19. Jahrhunderts – sank das jährliche Krustenwachstum auf nur noch 30 Mikrometer.

Laut Steffen Hetzinger vom Forschungszentrum Geomar in Kiel hat sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts diese Wachstumsrate mehr als verdoppelt – mit einer höheren Geschwindigkeit und Stetigkeit als in jeder anderen Phase seit dem 14. Jahrhundert.

Theoretisch könnte man daraus sogar das Klima der vergangenen 1000 Jahre ableiten, betont der für die Analyse zuständige Andreas Kronz von der Universität Göttingen. Entsprechend alte Algen hätten Taucher vor wenigen Wochen in arktischen Gewässern entdeckt.

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