GESELLSCHAFT


Japan: Millionenverluste durch Wildschaden

Baku, 24. Dezember, AZERTAC 

Japans Bauern verzeichnen jährlich Millionenverluste durch Wildschaden, doch es gibt immer weniger Jäger. Nun versucht das Land neue zu gewinnen, pfeift auf Traditionen - und wirbt um Frauen.

Als Chiaki Kodama das erste Mal abdrückt, ist sie ganz ruhig. Langsam nimmt die 28-Jährige das Wild ins Visier und schießt. Wenige Momente später verfolgen sie und ihre gleichaltrige Freundin Aoi Fukuno das verwundete Tier durch den Wald in Japans Präfektur Fukui. "Achte auf die Blutspuren", sagt Kodama. Es ist der erste Jagdausflug der frisch gebackenen Jägerinnen.

Ebenso wie in Deutschland ist das Jagen in Japan ein männlich dominiertes Feld. Bisher. Denn das Land hat ein Wild-Problem. Seit den Neunzigerjahren sind die Populationen rasant gestiegen. Die Anzahl der Hirsche hat sich laut Umweltministerium von weniger als 400.000 auf mehr als drei Millionen vervielfacht, in derselben Zeit hat sich der Wildschweinbestand auf eine Million Tiere verdoppelt.

Ihnen stehen rund 105.000 registrierte Jäger gegenüber, zwei Drittel von ihnen sind allerdings älter als 60 Jahre. Nur 1169 sind laut der nationalen Jagdverbandes weiblich.

Darin liegt ein großes Potenzial - und möglicherweise die Rettung für Japans Bauern. Denn die sind einigermaßen verzweifelt. Seit 2008 haben sie umgerechnet rund 150 Millionen Euro jährlich verloren, weil Hirsche, Wildschweine, Affen und Vögel Ernten verwüstet haben.

Mobile Toiletten für Jägerinnen - Nun bemühen sich Jäger und Kommunalverwaltungen über soziale Medien und Jagdveranstaltungen, Frauen für das Waidmannswerk zu gewinnen. Ein großer Schritt in einem Land, in dem jagende Frauen nicht nur verpönt waren, sondern die Tradition es Männern sogar verbot, vor der Jagd mit Frauen zu sprechen.

Die Jägerinnen in spe werden sogar mit Annehmlichkeiten gelockt. Auf der Internetseite des nationalen Jagdverbands, auf der sich Frauen über ihre Jagderlebnisse austauschen, berichtet eine Nutzerin von einer "sehr freundlichen Geste": In diversen Jagdhütten seien mobile Toiletten für Jägerinnen aufgestellt worden.

Als Chiaki Kodama und Aoi Fukuno das Wild finden, liegt es tot über einem umgestürzten Baum. Dann zeigt Kodama ihrer Freundin, wie man das Tier ausweidet und in einem Bach ausbluten lässt. "Es ist spannend endlich mit eigenen Augen zu sehen, was ich zuvor nur aus Büchern gelernt habe, um meinen Jagdschein zu bekommen", sagt Fukuno.

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