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Japan plant Kasinos zur „Wiederbelebung der Nation“

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Baku, den 3. Oktober (AZERTAG). Eine expansive Geldpolitik, der Zuschlag für die Olympischen Spiele 2020 – und bald womöglich die Legalisierung von Kasinos. Japan scheint derzeit alles zu versuchen, um sich zu sanieren.

Rechtzeitig zu den Olympischen Spielen 2020 wollen japanische Politiker ihr Land zu einem Las Vegas des Fernen Ostens machen. Mit Blick auf die erwarteten Besucherströme aus aller Welt treten sie dafür ein, das Glücksspiel in Form von Kasinos zu legalisieren.

Der Generalsekretär der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP), Hiroyuki Hosoda, kündigte in der Zeitung „Yomiuri Shimbun“ an, eine von ihm angeführte überparteiliche Gruppe von Abgeordneten wolle im Herbst auf einer außerordentlichen Sitzung des Parlaments einen entsprechenden Gesetzentwurf einreichen.

Die Idee an sich ist nicht neu: Angesichts einer gigantischen Staatsverschuldung von bald dem Zweieinhalbfachen der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes gibt es schon seit Jahren Forderungen aus der Wirtschaft und Provinz nach einer Zulassung von Kasinos. Denn die Einnahmen aus dem Glücksspiel könnten zumindest einen Teil der Löcher stopfen, die in Japans öffentlichen Kassen klaffen.

Einer der prominenten Fürsprecher ist der frühere Gouverneur von Tokio, Shintaro Ishihara. Um für die Idee zu werben, ließ der heutige Führer einer kleinen rechtskonservativen Oppositionspartei während seiner Amtszeit sogar für zwei Tage die 45. Etage des Tokioter Rathauses in ein kleines Attrappen-Kasino samt Roulette-Tischen verwandeln.

Touristen aus dem Ausland anlocken – „Wenn wir Kasinos auch in den Provinzen errichten und damit Touristen aus dem Ausland anlocken, könnte das die ganze Nation wiederbeleben“, frohlockt bereits ein Vertreter der überparteilichen Parlamentierergruppe, der laut „Yomiuri Shimbun“ auch Ministerpräsident Shinzo Abe und sein Finanzminister Taro Aso angehören.

Abe zeigte sich demnach aufgeschlossen: „Auch wenn es da Herausforderungen gibt, hat das auch gewisse Vorteile.“ Angedacht ist der Bau großer Kasino-Komplexe mit Hotels, Kinos, Einkaufspassagen und anderen Einrichtungen.

Dies würde Schätzungen zufolge nicht nur wirtschaftliche Impulse in Milliardenhöhe mit sich bringen, sondern auch neue Arbeitsplätze schaffen.

Die frühere portugiesische Kolonie Macau, die Philippinen und Vietnam haben es vorgemacht. Bislang ist Japan eines der wenigen Industrieländer, in denen Kasinos verboten sind. Dabei ist Glücksspiel den Japanern keineswegs fremd. Ein großer Teil der Besucher südkoreanischer Kasinos sollen Japaner sein.

Japaner zocken in den Pachinko-Hallen - Im eigenen Land sind lediglich Wetten bei Pferde-, Motorboot-, Auto- und Fahrradrennen sowie staatlich überwachte Zahlenlotterien und Fußball-Toto legal. Extrem populär sind in Japan sogenannte Pachinko-Hallen, auch wenn sie offiziell nicht unter Glücksspiel geführt werden.

Dabei werden Metallkugeln in Automaten geschüttet in der Hoffnung, dass sie ein Trefferloch finden. Nur dank rechtlicher Schlupflöcher können die Sachpreise in bares Geld getauscht werden.

Das Geschäft mit Pachinko ist ein enormer Wirtschaftszweig. Genauso könnte es sich nach Auffassung von Befürwortern mit den Kasinos verhalten. Unternehmen – auch ausländische – wittern bereits Geschäftschancen.

Doch nicht jeder schließt sich der Idee zur Rettung Japans mit Hilfe von Spielkasinos an. Kritiker führen neben dem Verfall der Moral als weitere Argumente die mögliche Einmischung des organisierten Verbrechens, Korruption und Steuerhinterziehung an.

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