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Japans Atomaufsicht gibt grünes Licht für die Rückkehr zur Kernenergie

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Baku, den 16. Juli (AZERTAG). Das Thema ist seit dem Unfall von Fukushima mit Angst besetzt. Japans Atomaufsicht gibt grünes Licht für die Rückkehr zur Kernenergie. Ob die Meiler wirklich wieder hochgefahren werden, bleibt aber ungewiss.

Vor rund zwei Jahren hat Japan den letzten noch am Netz verbliebenen Atomreaktor des Landes abgeschaltet, Tausende Menschen feierten die Atom-Auszeit. Jetzt hat die japanische Atomaufsicht zwei abgeschaltete Reaktoren für sicher erklärt - und damit eine Rückkehr zur Kernkraft ermöglicht.

Japans Atomregulierungsbehörde NRA veröffentlichte am Mittwoch einen rund 400 Seiten starken Bericht, demzufolge die Anlage Sendai 1 und Sendai 2 in Südjapan sicher genug sind, um wieder ans Netz zu gehen. Sendai wäre somit die erste Atomanlage, die nach der Katastrophe von Fukushima im März 2011 nach strengeren Sicherheitsstandards arbeiten soll.

Der Bericht ist das erste derartige Unbedenklichkeitszeugnis, seit die Regierung im vergangenen Jahr die Sicherheitsanforderungen verschärfte. NRA-Chef Shunichi Tanaka sah sich vor Journalisten in Tokio indes zu einer Einschränkung gezwungen: „Wir können niemals sagen, dass überhaupt kein Risiko besteht.“

Ein Neustart in Sendai vor dem Herbst ist ohnehin unwahrscheinlich. Die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe und die Betreiberfirma Kyushu Electric Power haben bereits vereinbart, die Bevölkerung und örtliche Behörden in eine Entscheidung über das Hochfahren der Anlage einzubinden. Dies könnte mehrere Monate dauern.

Japaner lehnen Rückkehr zur Kernkraft laut einer Umfrage ab - Ob die Menschen in Japan mehrheitlich einem solchen Schritt zustimmen, bleibt ungewiss. In einer Umfrage der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo sprach sich eine Mehrheit von 55,2 Prozent der Befragten gegen das Wiederanfahren der Atomreaktoren aus. In der Diskussion um Japans Rückkehr zur Kernkraft hatte im Mai zuletzt ein Gericht verboten, ein Kernkraftwerk wieder vollständig hochzufahren. Das Bezirksgericht gab damit einer Klage von 189 Bürgern statt.

Erschwerend kommt hinzu, dass nicht klar geregelt ist, wer die endgültige Entscheidung zum Wiederhochfahren der Reaktoren treffen muss, wie der Politologe Tomoaki Iwai von der Nihon-Universität erläuterte. „Weil niemand die Verantwortung für eine solch' schwierige Entscheidung übernehmen will, wird wahrscheinlich der Regierungschef das letzte Wort haben.“

Nach dem Unfall von Fukushima vor gut drei Jahren waren alle 48 japanischen Atomkraftwerke vom Netz genommen worden. Ministerpräsident Shinzo Abe ist allerdings bestrebt, die Reaktoren wieder hochzufahren.

Am 11. März 2011 kam es nach einem schweren Erdbeben und einem Tsunami in gleich drei Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi zur Kernschmelze. Radioaktive Stoffe wurden in großen Mengen frei, weite Gebiete mussten evakuiert werden. Die Aufräumarbeiten werden Jahrzehnte dauern.

 

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