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Jede Nase nimmt Gerüche etwas anders wahr

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Baku, 24. Juni AZERTAC

Israelische Forscher haben eine Art Fingerabdruck des Geruchssinns bestimmt - Jede Nase riecht anders. Das Verfahren könnte sogar dabei helfen, passende Spender für Organ-Transplantationen zu finden.

Hundekot stinkt, frische Brötchen duften und Rosen riechen angenehm - so weit so nasaler Konsens. Schaut man aber auf die Feinheiten unseres Geruchssinns, zeigt sich, dass jede Nase etwas anders tickt. Was mancher als wohlig und sinnlich duftend wahrnimmt, ist anderen zu aufdringlich.

Nun haben israelische Forscher diese Unterschiede genutzt und einen Test entwickelt, der das Geruchsempfinden genau analysiert. Mit einem Set aus 28 Gerüchen und 54 Fragen konnten sie zeigen, dass jeder Mensch einen individuellen „Nasenabdruck“ hat.

„Von unseren Experimenten ausgehend, sollten 34 Gerüche ausreichen, um für alle 7 Milliarden Menschen auf der Erde ein individuelles Profil zu erstellen“, erklärt Lavi Secundo, Forscher am Weizmann Institut im israelischen Rehovot, der die Arbeit an der Studie leitete.

Wie maskulin riecht es? - Secundo und seine Kollegen ließen für ihre Studie insgesamt 238 Probanden an verschiedenen Düften riechen. Anschließend stellten sie ihnen eine Reihe von Fragen. Wie maskulin riecht es? Wie stark ist die Kokosnuss-Note? Bei jeder der Fragen durften die Testpersonen auf einer Skala von 1 bis 100 bewerten, wie sehr die Aussage auf den jeweiligen Duft zutraf. Das reichte schon aus, um einen individuellen „Nasenabdruck“ für jeden Probanden zu generieren.

Die neue Studie ist bei Weitem nicht die erste, die auf die Einzigartigkeit unseres Geruchssinns hinweist. Unsere Nase mag gegen die von Hund und Katze keine Chance haben. Sie scheint aber dennoch unser Leben maßgeblich zu prägen. So gilt inzwischen als einigermaßen sicher, dass wir bei der Partnerwahl vor allem Männer und Frauen mögen, die einen anderen Duft verströmen als wir selbst.

Was die Studie von Secundo nun besonders macht, ist das letzte Teilexperiment. Dafür untersuchte der Forscher nicht nur das Geruchsempfinden. Er schaute auch, wie sehr sich die Probanden in der Mischung ihrer sogenannten HLA-Gene voneinander unterschieden. Diese HLA-Gene spielen eine zentrale Rolle im Immunsystem. Sie entscheiden deshalb auch darüber, ob ein Spenderorgan vom Körper des Empfängers angenommen wird oder nicht. Forscher vermuten zudem schon länger, dass die Mischung der HLA und unser Geruchsempfinden genetisch eng zusammenhängen.

Geruchstest vor der Organspende - Secundo konnte nun zeigen, dass der Zusammenhang zwischen HLA und Geruchsempfinden tatsächlich extrem stark ist. So stark, dass sich mithilfe des neu entwickelten „Nasenabdrucks“ eine erste Vorhersage über die HLA-Mischung treffen lässt. „Wir könnten damit die Zahl der potenziellen Organspender so weit einkreisen, dass 30 Prozent der bisherigen HLA-Tests bei Screenings überflüssig werden“, sagt der Forscher. Ausreichen würde dafür ein Test mit vier Gerüchen, der gerade einmal fünf Minuten dauert.

Manfred Millinksi vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön lobt die Arbeit des israelischen Teams. Allerdings fehlt dem deutschen Forscher ein entscheidender Schritt in der Studie. Spannend wäre es gewesen, wenn man zwei Leute mit ähnlichem HLA-Typus und ähnlichem Geruchsempfinden aneinander hätte riechen lassen.

„Meiner Meinung nach müssten diese beiden Menschen den Körpergeruch des jeweils anderen furchtbar finden“, sagt Millinski. Denn gerade weil beide olfaktorisch gesehen sich so ähneln, müssten sie den Geruch ihres Gegenübers verabscheuen. Der potenziell beste Organspender könnte also womöglich jemand sein, den wir geruchstechnisch eigentlich gar nicht ertragen können.

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