GESELLSCHAFT


Jede dritte Art in Nord- und Ostsee gefährdet

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Baku, den 13. Mai (AZERTAG). Fischerei, Kiesgewinnung, Überdüngung. Aktivitäten des Menschen gefährden fast jede dritte Art in Nord- und Ostsee. Selbst in Schutzgebieten sind Lebewesen nicht sicher.

Hunderte verschiedener Meeresorganismen tummeln sich vor deutschen Küsten - doch Grundschleppnetze, Baggerarbeiten und Abwässer machen ihnen das Leben schwer. Viele Arten sind bedroht.

Von 1700 untersuchten Arten an Fischen, wirbellosen Tieren und Großalgen in den deutschen Nord- und Ostseegewässern sind 30 Prozent gefährdet, berichtet das Bundesamt für Naturschutz (BfN), das am Montag in Bonn die Rote Liste der Meeresorganismen vorlegte. Von den 94 untersuchten Fischarten stehen 22 auf der Roten Liste, vier weitere auf der sogenannten Vorwarnliste. Für 21 Arten liegen nicht genug Daten für eine sichere Einordnung vor.

Auf der neuen Roten Liste stehen auch Knorpelfische wie Dornhai und Glattrochen. Ihre Lage ist laut BfN kritisch. Hauptursache für ihren Schwund sei übermäßige Fischerei mit Grundschleppnetzen, die selbst in den Meeresschutzgebieten weitgehend unreguliert stattfinde. Zudem würden die am Meeresgrund vorkommenden Organismen wie Schwämme und Muscheln und die Lebensgemeinschaften der Sandkorallenriffe beeinträchtigt.

Von den bei früheren Analysen untersuchten 9000 Arten an Land- und Süßwasserorganismen stehen sogar 45 Prozent auf der Roten Liste. „Damit scheint die Situation in den Meeren mit 30 Prozent Rote-Listen-Arten deutlich besser zu sein, doch der Eindruck täuscht“, zitiert das BfN seine Präsidentin Beate Jessel. Bei einem Drittel der Meeresarten gebe es noch gar nicht genug Informationen, um die Gefährdung hinreichend einzuschätzen. Nur knapp 31 Prozent aller erfassten marinen Arten gelten nach bisheriger Erfahrung als ungefährdet.

Düngemittelreste in die Meere geleitet - Neben der Bodenfischerei tragen nach Meinung der Experten zwei weitere Faktoren besonders zur Gefährdung der Arten bei. Zum einen werden Abwässer und Düngemittelreste in die Meere geleitet und erhöhen den Nährstoffgehalt. Dadurch bilden sich verstärkt Mikroalgen, die Sauerstoffgehalt und den Lichteinfall verringern. Die Abwässer schaden nach Aussage der BfN-Experten vielen Großalgen und den sogenannten Filtrierern unter den wirbellosen Tieren. Außerdem zerstören maritimer Kiesabbau und Baggerarbeiten, beispielsweise an Häfen oder Fahrrinnen, den Lebensraum von Arten, die fest auf dem Meeresboden sitzen.

Meeressäugetiere wie Kegelrobbe, Seehund, Großer Tümmler und Schweinswal werden auf der Liste nicht berücksichtigt. Sie wurden bereits 2009 in der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands behandelt. Der Große Tümmler gilt nach Angaben der Experten seit den siebziger Jahren als ausgestorben. Kegelrobbe und Schweinswal gelten als stark gefährdet. Lediglich der Seehund ist nicht bedroht.

Der WWF kritisierte, dass rund 30 Prozent der deutschen Meeresgebiete formal zwar unter Schutz stünden, es dort aber keine besondere Auflagen gebe: „In der Praxis darf jeder Quadratkilometer Meeresschutzgebiet befischt werden. Wir brauchen Meeresschutzgebiete, die diesen Namen auch verdienen“, erklärte WWF-Experte Stephan Lutter. Der WWF forderte fischereifreie Zonen.

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