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Jeden Tag sterben 160 Menschen an der Tollwut

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Baku, 18. April, AZERTAC
Die Tollwut kostet jedes Jahr knapp 60 000 Menschenleben. Dabei kann die Virusinfektion verhindert werden.
160 Menschen weltweit sterben pro Tag an der Tollwut. Die höchste Todesrate - bezogen auf die Bevölkerung - verzeichnen die armen Länder südlich der Sahara, wie die Analyse eines internationalen Forscherteams ergibt (Plos Neglected Tropical Diseases, online). Absolut gesehen sterben in Indien die meisten Menschen an der Virusinfektion. 20 000 Infizierte erliegen dort in jedem Jahr dem Virus, insgesamt sind das 35 Prozent aller Tollwut-Opfer.
Ohne sofortige medizinische Hilfe sterben Infizierte fast immer qualvoll, da Tollwut-Viren das zentrale Nervensystem befallen. Das Leid ist umso erschreckender, da es vermeidbar ist. Die klassische Tollwut wird in 99 Prozent aller Fälle durch Hundebisse übertragen. Durch Impfungen der Tiere kann sie eliminiert werden. In vielen europäischen Ländern ist dies gelungen; Deutschland gilt seit 2008 als frei von Tollwut.
Ein Grippe-Virus besteht aus organischen Molekülen und kann sich in Zellen eines Wirts vermehren. Doch lebt es?
Wie schwer Mikroben dem Menschen zusetzen können, sieht man derzeit an der Ebola-Epidemie. Ein winziges Virus versetzt die gesamte Welt in Angst. Zahlreiche Erreger haben ähnlich üble Tricks auf Lager, um Erkrankte reihenweise dahinzuraffen.
Während Ebola sehr häufig tötet, gibt es Erreger, die das so gut wie immer tun: Eine Infektion mit dem Tollwut-Virus ist ein Todesurteil - wenn der Patient nicht geschützt ist. Gegen die Krankheit gibt es einen Impfstoff, der auch unmittelbar nach der Ansteckung verabreicht noch helfen kann. Doch längst nicht alle Menschen dieser Welt haben Zugang zu einer solchen Postexpositionsprophylaxe oder einer Impfung. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jedes Jahr mehr als 55 000 Menschen an der Erkrankung - die meisten von ihnen in Afrika und Asien.
Dabei ist der Tollwut-Erreger nicht nur besonders aggressiv, sondern quält seine Opfer auch auf besonders grausame Weise. Das Virus befällt das zentrale Nervensystem seiner Wirte und verändert deren Verhalten so, dass sie seine Verbreitung fördern: Tiere können aggressiv und reizbar werden, sodass sie rasch und heftig zubeißen - und mit ihrem Speichel das Virus weitergeben. Selbst infizierte Menschen beißen bisweilen zu. Der Erreger kann zugleich enorme Angst vor Wasser auslösen, sodass der infektiöse Speichel nicht verdünnt oder ausgespült wird. Das ist umso unangenehmer, als dass die Erkrankung zugleich Schluckbeschwerden verursacht. Allerdings sind Mensch-zu-Mensch-Übertragungen noch nicht beobachtet wurden. Fast alle Erkrankungen gehen auf Hundebisse zurück.

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