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Jeder Mensch hat eine für ihn typische Mikrobenmixtur

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Baku, 23. September, AZERTAC 

Jeder Mensch hat eine für ihn typische Mikrobenmixtur. Nach einer neuen Studie hinterlassen Menschen ihren individuellen Cocktail nicht nur an Gegenständen, sondern auch in der Luft.

Eine Überraschung - selbst für die Forscher: „Wir hatten zwar erwartet, dass wir das menschliche Mikrobiom in der Luft aufspüren können“, berichtet James Meadow von der amerikanischen University of Oregon in Eugene. „Erstaunt haben wir aber festgestellt, dass wir die meisten Probanden anhand ihrer Mikrobenwolke sogar identifizieren konnten.“

Wie ein Strichcode - Die Mikrobiologen, die ihre Arbeit nun im Online-Journal „PeerJ“ veröffentlichen, setzten für den Test nacheinander elf Menschen in ein keimfreies Einzelzimmer. Binnen anderthalb bis vier Stunden hatten sie so viel Material gesammelt und untersucht, dass sie fast alle Mikrobenwolken eindeutig einem Probanden zuordnen konnten.

Zur Bestimmung der Bakterienarten nutzten Meadow und seine Kollegen ein sehr effizientes Verfahren: Sie analysierten bei allen Mikroben den gleichen kleinen Genabschnitt, weil er sich bei den meisten Arten unterscheidet. Dieser Genabschnitt ist wie ein Strichcode auf einem Preisschild und ein einfaches Erkennungsmerkmal für viele Bakterienarten. Auf diese Weise untersuchten die Forscher zudem die Bakteriengesellschaft der Luft in einem identischen leeren Zimmer sowie in der aus Frischluft- und Abluft-Rohren.

Tätersuche mit Mikrobenabstrich - Jeder Mensch gibt täglich Millionen Bakterien an seine Umwelt ab. Viele davon, wie die Rachenbewohner Streptokokken, oder Propioni- oder Corynebakterien, die auf der Haut vorkommen, sind im und am Menschen allgegenwärtig. Doch die jeweilige Mischung dieser Bakterien variiert von Mensch zu Mensch.

Inzwischen versuchen Forscher, sich das Phänomen auch in der Forensik zunutze zu machen, um etwa Verbrecher nicht mehr allein anhand ihrer Fingerabdrücke oder der DNA zu identifizieren - sondern möglicherweise auch an deren individueller Mikrobenmischung.

Die Verfahren sind allerdings noch nicht ausgereift und massentauglich. Außerdem kann es Probleme geben, weil intime, auf Krankheiten hindeutende Werte dabei zu finden sind.

US-Forscher aus Illinois gingen deshalb jüngst einen anderen, unverfänglicheren Weg: Sie untersuchten die Schuhsohlen von Konferenzteilnehmern aus Vancouver, Washington DC und Kalifornien und konnten allein anhand der anhaftenden mikrobiellen Bodenspuren zuweisen, wer an welchem Ort gewesen war.

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