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Jedes Jahr starben weltweit mehr als 100000 Menschen an den Folgen von Masern

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Baku, 23. Februar, AZERTAG

Der Masern-Tod eines Kleinkindes in Berlin ruft in Erinnerung, dass Kinderkrankheiten durchaus gefährlich verlaufen können. Das Wichtigste über die tückische Virusinfektion und ihre Folgen:

Die ersten Symptome, die etwa zehn Tage nach der Ansteckung auftreten, sind recht uneindeutig: Fieber, Schnupfen, Husten und Mattigkeit. Darüber hinaus kommt es oft zu einem Ausschlag an Gaumen und Mundschleimhaut. Erst 14 Tage nach der Infektion tritt der typische Masernausschlag auf: bräunlich-rosafarbene Flecken auf der Haut, beginnend im Gesicht. Die Flecken bleiben vier bis sieben Tage.

Auslöser der Krankheit sind Masernviren. Sie infizieren ausschließlich Menschen. Die Ansteckung erfolgt beim Sprechen, Husten oder Niesen über Tröpfchen. Schon fünf Tage vor dem typischen roten Hautausschlag sind Infizierte ansteckend. Kaum ein Erreger ist so infektiös wie das Masernvirus. Wer es in sich trägt, gibt die Keime praktisch an alle Menschen der unmittelbaren Umgebung weiter – es sei denn, diese sind geimpft oder haben die Erkrankung bereits selbst durchgemacht.

Bei einer Masernerkrankung tritt fast immer hohes Fieber auf. Das Immunsystem ist während der Infektion sehr geschwächt, dadurch haben andere Erreger ein leichtes Spiel. Häufig erkranken die Patienten zusätzlich an einer Mittelohrentzündung, einer schweren Bronchitis oder einer Lungenentzündung. Besonders gefürchtet als Komplikation sind Gehirnentzündungen. Die Gefahr eines tödlichen Verlaufs ist dann groß.

Im Jahr 2000 starben weltweit mehr als 100000 Menschen an den Folgen von Masern. Eine Therapie gegen Masern gibt es nicht. Um den Körper im Kampf gegen die Viren zu unterstützen, helfen Bettruhe, fiebersenkende Medikamente und Arzneien gegen Husten.

Durch eine Impfung. Der Impfstoff wird aus abgeschwächten Masernviren hergestellt. Säuglinge sollten im Alter von 11 bis 14 Monaten erstmals geimpft werden. Das kann auch früher geschehen (ab 9 Monaten), wenn das Kind in eine Kita gehen soll. Die Zweitimpfung kann vier Wochen nach der ersten erfolgen und sollte im Alter von 15 bis 23 Monaten verabreicht werden.

Typische Impfreaktionen sind möglich. So kann die Einstichstelle dick werden und schmerzen. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind sehr selten. Weil für die Immunisierung gegen Masern abgeschwächte Lebendviren verwendet werden, kommt es mitunter zu einer milden Form der Krankheit.

Es gibt sie, die Impfgegner, die mit ihrem Kind lieber Masern-Partys besuchen, um es auf natürlichem Weg immun gegen die Viren zu machen. Unter den Eltern nicht geimpfter Kinder sind sie jedoch rar: Laut einer Umfrage lehnt nur rund ein Prozent aller Eltern die Impfungen für ihre Kinder generell ab. Ein sehr viel höherer Anteil, 35 Prozent, setzt sich mit dem Thema jedoch sehr kritisch auseinander. In den meisten Fällen wird das Impfen allerdings schlicht vergessen, etwa in Familien mit vielen Kindern oder weil ein Kind zum vereinbarten Impftermin krank war.

Wer als Kind oder Jugendlicher nur eine oder gar keine Masernimpfung erhalten hat, sollte sich noch einmal mit der MMR-Vakzine (Masern-Mumps-Röteln) impfen lassen. Bei Menschen, die vor 1970 geboren sind, geht man davon aus, dass sie bereits immun sind. Wenn weiterhin zunehmend Erwachsene erkranken, könnte sich die Sachlage ändern.

Weil Masernviren nur den Menschen befallen, also kein Reservoir irgendwo im Tierreich haben, wie es bei vielen anderen Krankheiten der Fall ist, ist es tatsächlich möglich, sie auszurotten. Das hat die Weltgemeinschaft auch vor. Ausgerechnet in diesem Jahr, 2015, hatte die WHO ursprünglich gehofft, sie könne verkünden, dass die Welt frei von Masern ist. Der Kampf gegen die tückischen Viren wird sich nun jedoch noch länger hinziehen. Um die Masern endgültig auszurotten, ist es nötig, dass mindestens 95 Prozent der Bevölkerung gegen die Erreger zweimal geimpft sind. Bei den Schulkindern in Deutschland ist man nahe dran. Im Jahr 2010 hatten knapp 97 Prozent der Erstklässler die erste MMR-Impfung erhalten, die für Kinder im Alter zwischen 11 und 14 Monaten empfohlen wird. Immerhin gut 92 Prozent der Schulanfänger waren zweimal geimpft und damit so gut wie möglich vor einer Erkrankung geschützt.

Masern gehören zu den Infektionskrankheiten, die am häufigsten auftreten. 2013 forderten sie nach WHO-Angaben 145 700 Todesopfer, zumeist Kinder unter fünf Jahren. Impfkampagnen haben die Zahl immerhin bereits stark reduziert. Im Jahr 2000 starben weltweit noch fast 544 200 Menschen an den Folgen der Infektion.

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