GESELLSCHAFT


Kampf gegen Denguefieber

A+ A

Baku, 30. Dezember, AZERTAC

Im Kampf gegen die Tropenkrankheit Denguefieber setzt auch Brasilien auf den neuen Wirkstoff Dengvaxia. Bei der Entscheidung zur Freigabe könnten auch die kommenden Olympischen Sommerspiele eine Rolle gespielt haben.

Für den französischen Pharmakonzern Sanofi Pasteur dürfte es eine erfreuliche Entscheidung gewesen sein. Brasiliens Agentur für Gesundheitsvorsorge (Anvisa) hat das Mittel Dengvaxia für den Verkauf freigegeben. Damit wird in spätestens drei Monaten der weltweit erste Impfstoff gegen das Dengue-Virus in dem Land erhältlich sein. Anfang Dezember hatten erst Mexiko, dann die Philippinen die Zulassung erteilt.

In den vergangenen Jahren ist das Denguefieber zunehmend zum Problem geworden. Die starke Ausbreitung droht gerade in Brasilien, wo in Rio de Janeiro im August 2016 die ersten Olympischen Spiele in Südamerika stattfinden, zahlungskräftige Touristen abzuschrecken. In dem Land sind in diesem Jahr schon weit über 800 Menschen an Dengue gestorben. Bis Dezember registrierten die Behörden 1,5 Millionen Fälle.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) breitet sich keine von Moskitos übertragene Viruskrankheit schneller auf der Erde aus als Dengue. Pro Jahr gebe es 390 Millionen Infektionen, davon seien rund 96 Millionen so schwer, dass eine Behandlung nötig werde.

Vom Dengue-Virus gibt es vier Varianten (Serotypen). Es wird durch Mücken der Gattung Aedes aegypti übertragen, auch tagsüber. Rund 40 Prozent der Erdbevölkerung leben in Risikogebieten. Ein Heilmittel gibt es allerdings nicht. Wer die Erkrankung übersteht, ist lebenslang gegen den jeweiligen Serotyp immun, aber nicht gegen die anderen drei Varianten. Die Symptome der Krankheit ähneln denen einer schweren Grippe. In schweren Fällen kann es zu inneren Blutungen kommen.

448 Dollar Kosten pro Opfer - Laut Sanofi können mit dem Impfstoff, der das Ergebnis einer jahrzehntelangen Forschung ist, Personen im Alter von 9 bis 45 Jahren gegen alle vier Serotypen geimpft werden. Damit könnten nach dem Ergebnis klinischer Studien alle vier Typen bei rund 65 Prozent der Geimpften verhindert werden und sogar 93 Prozent der schweren Fälle, die mitunter tödlich enden. Brasilien gebe bisher 1,2 Milliarden US-Dollar pro Jahr für die Behandlung aus, 448 Dollar pro Fall. In 15 Ländern mit 40.000 Freiwilligen sei der Stoff klinisch erprobt worden.

Fachleute sehen die Verwendung des Impfstoffs aber auch kritisch. So sagte Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin kürzlich: "Das Mittel muss dreimal geimpft werden, und der Impfstoff ist teuer." Zudem sei noch nicht nachgewiesen, ob er gegen alle Dengue-Serotypen gleich gut wirke. Forscher versuchen deshalb alternativ, die Mücken so zu manipulieren, dass sie die Erreger nicht mehr weitergeben. Und ein wesentlicher Bestandteil der Vorbeugung ist bisher, die Tiere mit Insektiziden zu bekämpfen.

Dennoch plant Sanofi im kommenden Jahr, Zulassungen in Europa zu beantragen. Die WHO will bei ihrem nächsten Treffen im April über die Verwendung des neuen Impfstoffs beraten, teilte die Uno-Behörde nach der Zulassung des Mittels in Mexiko mit. Eine Impfempfehlung sah die Behörde damit aber noch nicht verbunden.

Ein Grund für die massive Dengue-Ausbreitung in Südamerika, aber auch im asiatischen Raum könnte im Klimaphänomen El Niño liegen. Es lässt in diesem Jahr das Wetter wieder verrückt spielen und beschert immer wieder heftige Überschwemmungen - eine Brutstätte für Mücken in dem tropisch-feuchten Klima. Eine Langzeitanalyse von Dengue-Fällen in acht Ländern Südostasiens hat gezeigt, dass hohe Temperaturen die Stärke der Epidemien fördern. Im El-Niño-Zeitraum 1997/1998 stieg die Zahl der Erkrankungen auf Rekordniveau, berichtete jüngst ein Forscherteam um Willem von Panhuis von der University of Pittsburgh.

© Jede Verwendung von Materialien muss durch den Hyperlink kenntlich gemacht werden

KONTAKT MIT DEM AUTOR

Füllen Sie die erforderlichen Stellen mit Zeichen* aus

Bitte geben Sie die Buchstaben wie oben gezeigt ein.
Egal, ob die Buchstaben groß oder klein sind