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Kampf um Kolumbien ist dreckig

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Baku, den 21. Mai (AZERTAG). Drogengeld, Hackerangriffe und Sabotage der Friedensgespräche. Der Kampf um Kolumbien ist dreckig. Und die Fäden zieht Ex-Präsident Uribe. Es sind nur noch wenige Tage bis zur Wahl in Kolumbien, doch aus dem Wahlkampf ist auf den letzten Metern ein Schmierenstück geworden. Der stärkste Herausforderer des amtierenden Präsidenten steht auf einmal als hinterlistiger Falschspieler da. Seither diskutieren die Kolumbianer nicht mehr über die Programme der Kandidaten und die Lage im Land – weder über das marode Bildungssystem noch über die große Ungleichheit, den Arbeitsmarkt oder die Armut der Bauern. Stattdessen erregen sie sich über mutmaßliche Drogengelder, Hackerangriffe auf das Lager von Präsident Juan Manuel Santos, den Verrat von Militärgeheimnissen und kompromittierende Videos.

Ex-Präsident Álvaro Uribe Vélez schwebt über dem Wahlkampf wie ein Racheengel. Er selbst darf zwar nicht mehr für das höchste Regierungsamt kandidieren. Aber er hat einen Kandidaten im Rennen, Oscar Iván Zuluaga, von dem manche sagen, er sei bloß sein Strohmann.

Zuluaga ist der Mann, dessen Besuche bei einem Hacker, der Staatsgeheimnisse abfing und auch den amtierenden Präsidenten ausspionierte, kürzlich durch ein Video bewiesen wurden. Und der damit die Schlammschlacht auslöste.

Den ersten Spionageskandal erlebten die Kolumbianer schon im Februar. Damals wurde bekannt, dass unter dem Decknamen „Andromeda“ die Friedensgespräche der Regierung mit den Farc-Rebellen auf Kuba ausgespäht worden waren – mit einer Technik, die nur das Militär oder der Geheimdienst besitzen konnte. Schon damals gab es Spekulationen, Uribe habe die Spähaktion befohlen, weil er die Verhandlungen mit den Guerilleros ablehnt, die seit vielen Jahren mit Geiselnahmen und Drogengeschäften für Aufsehen sorgten.

Belegt ist das nicht, aber die Vermutung liegt nahe. „Es gibt in der Regierung und in den Streitkräften immer noch viele Personen, die Uribe gegenüber loyal sind“, sagt Angela Mejía, Politikredakteurin der regierungsnahen Tageszeitung El Tiempo. Und Uribe mobilisiert gegen die Friedensgespräche wie er nur kann. Sein Vater, ein wohlhabender Großgrundbesitzer aus der Kaffeeregion östlich von Bogotá, wurde einst von Guerilleros ermordet. Seither führt sein Sohn einen persönlichen Kreuzzug gegen die „Terroristen“, wie er sie nennt.

Zu den Paramilitärs hingegen pflegten viele seiner Gefolgsleute enge Beziehungen. Möglicherweise tat das auch Uribe, aber auch das ist nicht bewiesen.

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