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Kannibalismus unter Baby-Galaxien

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Baku, den 25. Februar (AZERTAG). Stürzt eine Galaxie in eine andere, wird sie gnadenlos verschlungen. Und das machen schon die Kleinsten: Den kosmischen Kannibalismus haben Astronomen nun bei einer Zwerggalaxie ganz in unserer Nachbarschaft entdeckt.

Andromeda II hat ihre kleine Schwester gefressen. Darauf deuten Bewegungsmuster im Inneren der Zwerggalaxie hin, schreiben Astronomen im Fachmagazin „Nature“. Wie ein offener Ring umrunden die Sterne der vernichteten Galaxie nun das Zentrum von Andromeda II.

Die Zwerggalaxie Andromeda II gehört zu Andromeda, der nächsten Nachbarin der Milchstraße. Andromeda selbst ist knapp 2,5 Millionen Lichtjahre von unserer Heimatgalaxie entfernt, 600.000 Lichtjahre abseits ihres Zentrums liegt Andromeda II - in guter kosmischer Nachbarschaft: Mehr als 20 kleinere Galaxien schwärmen um Andromeda.

Und der Anblick von Andromeda II ist durchaus ungewöhnlich. Denn eigentlich verteilen sich Sterne in einer Zwerggalaxie eher zufällig. Doch von den etwa 700 beobachteten Sternen in Andromeda II halten sich mindestens 120 erstaunlich akkurat auf ihrer Bahn. Von einem „cold kinematic stream“ sprechen die Forscher. Hauptautor Nicola Amorisco vom Dark Cosmology Centre in Kopenhagen sagt: „Sie bewegen sich gemeinsam, anders als die anderen Sterne in Andromeda II.“

Die Wissenschaftler haben eine Erklärung für dieses Phänomen: Der Sternenring kreist so präzise durch die Galaxie, weil eine andere Zwerggalaxie sich einst um die überlebende Andromda II gedreht hatte - bis sie kollidierten und die kleinere vernichtet wurde. „Wir sind überzeugt, dass die Fusion das wahrscheinlichste Szenario ist“, sagt Amorisco. Darauf deute der Sternengürtel hin. Die Reste der verschlungenen Galaxie halten weiterhin zusammen. „Androma II besteht aus vielen Millionen Sternen. Es ist wahrscheinlich, dass ein guter Teil von ihnen früher zu dem verschlungenen Zwerg gehörte.“

Die Daten sollen eine gängige Vermutung der Astronomie bestätigen: Baby-Galaxien wachsen, indem sie andere Galaxien in sich aufnehmen. Und zwar von klein auf. Diesen Vorgang hatten Astronomen schon bei Zusammenstößen größerer Galaxien beobachtet - sie ziehen die kleineren durch ihre Gravitation an. Andromeda II ist jedoch vergleichsweise winzig - unsere Milchstraße ist mehr als hundertmal so groß. Nie zuvor habe man die Evolution einer Galaxie in einem derart frühen Stadium beobachten können, sagt Amorisco.

Die europäischen Astronomen um Amorisco nutzten Daten des Deep Imaging Multi-Object Spectrograph (Deimos) des Keck-2-Teleskops auf Hawaii. Er zeichnete Informationen über die Bewegungen der Sterne innerhalb der Galaxie auf. So waren bereits im Jahr 2012 Wissenschaftler auf die Spur der ungewöhnlichen Galaxie gekommen: Andromeda II rotiert kaum horizontal, wesentlich schneller jedoch um eine geneigte Achse. Das unterscheidet sie von den meisten anderen Galaxien.

Auch Andromeda und der Milchstraße steht die kosmische Kollision bevor. Aus den beiden Spiralgalaxien wird dann eine einzige, noch größere. Das ist allerdings noch vier Milliarden Jahre hin.

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