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Kenianische Regierung will zwei gigantische Flüchtlingslager schließen

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Baku, 7. Mai, AZERTAC

Die kenianische Regierung will zwei gigantische Flüchtlingslager schließen, darunter das weltgrößte Dadaab. Wohin die gut 600.000 betroffenen Menschen stattdessen gehen sollen, ist unklar.

Kenia hat die Schließung von zwei Flüchtlingslagern mit insgesamt 600.000 Menschen angekündigt. Darunter ist auch das größte Flüchtlingslager der Welt in Dadaab, wo nach Angaben der Vereinten Nationen allein 330.000 Migranten aus Somalia leben. In dem zweiten Lager in Kakuma seien es rund 55.000 Somalis und mehr als 90.000 Menschen aus dem Südsudan.

Das Lager Dadaab besteht seit 1991. Dort wohnen vor allem Menschen, die vor dem Bürgerkrieg in Somalia geflohen sind. Viele Kinder und Jugendliche wurden bereits im Lager geboren.

Dadaab hat sich zu einer regelrechten Stadt entwickelt, mit teilweise festen Häusern, kleinen Geschäften und einem großen Markt. Die kenianischen Sicherheitskräfte haben enorme Schwierigkeiten, das riesige Lager zu kontrollieren.

Die Auflösung solle so schnell wie möglich erfolgen, teilte das Innenministerium am Freitag mit. Die Regierung befürchte, dass in einem der Lager Terroristen rekrutiert und ausgebildet werden.

Bereits vor einem Jahr hatte Kenia mit der Schließung des Lagers in Dadaab gedroht, nachdem die somalische Schabaab-Miliz die Universität Garissa im Osten Kenias angegriffen und dabei 148 Menschen getötet hatte.

Nun bittet Kenias Regierung die internationale Gemeinschaft um Hilfe, um das "Leiden der Flüchtlinge zu lindern". Man müsse gemeinsam die Verantwortung für die Flüchtlinge übernehmen, hieß es in der Mitteilung. Was genau mit den Menschen passieren soll, ließ die Regierung aber offen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) kritisierte die Pläne. Sie warf kenianischen Sicherheitsbeamten vor, Somalier zu schikanieren. Die Bedrohung durch Schabab gebe es, sagte HRW-Flüchtlingsexperte Bill Frelick. "Doch die kenianische Regierung sollte jene Menschen angemessen strafrechtlich verfolgen, die Verbrechen begangen haben, und die Bemühungen um den Schutz von Flüchtlingen nach internationalen Richtlinien aufrechterhalten."

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