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Kind mit DNA dreier Menschen erzeugt

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Baku, 28. September, AZERTAC

Ein Großteil des Erbguts stammt von Mutter und Vater, ein kleiner Teil aber von einer Eizellspenderin. Ein New Yorker Arzt hat nach eigenen Angaben ein Kind mit der DNA dreier Menschen erzeugt.

Es besitzt das Erbgut von drei Menschen: Laut einer Konferenzankündigung und eines Berichts des "New Scientist" ist weltweit zum ersten Mal ein Baby zur Welt gekommen, das in diesem Ausmaß das Erbgut von drei Menschen in sich trägt. Grund für den Eingriff war eine Erbkrankheit der Mutter, die sich zuvor bereits auf zwei Kinder übertragen hatte.

Dem Medienbericht zufolge stammen die beiden Elternteile aus Jordanien, für die Behandlung suchten sie allerdings Rat bei John Zhang vom New Hope Fertility Center in New York City. Die Behandlung erfolgte aus rechtlichen Gründen anschließend in Mexiko. Rein formal ist eine künstliche Befruchtung mit einer Eizelle, die das Erbgut von drei Menschen trägt, nur in Großbritannien erlaubt. Dort ist jedoch bis jetzt kein Fall bekannt, bei dem sie angewendet wurde.

Außenseiter-Gene in den Zellkraftwerken - Ein Großteil des Erbguts ist beim Menschen im Zellkern enthalten. Ein kleiner Teil, nur ein Prozent, steckt allerdings in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle. Diese befinden sich außerhalb des Zellkerns. Die jetzt behandelte Mutter war zwar selbst gesund. Das Erbgut ihrer Mitochondrien trug jedoch Informationen für eine seltene Krankheit, das sogenannten Leigh-Syndrom, das der Entwicklung des Nervensystems schadet.

Nach mehreren Fehlgeburten bekam das Paar dem "New Scientist" zufolge 2005 ein Mädchen, das aufgrund der Erkrankung jedoch im Alter von sechs Jahren starb. Ein weiteres Kind lebte laut dem Bericht nur acht Monate. Um zu verhindern, dass sich das wiederholt, benötigte das Paar für ein drittes Kind die Mitochondrien einer gesunden Spenderin - und damit die Erbinformationen einer dritten Person.

Dafür existieren verschiedene Techniken. Bei einer 2015 in Großbritannien zugelassenen Methode werden zwei Eizellen mit dem Sperma des Vaters befruchtet, eine Eizelle der eigentlichen Mutter mit den kranken Mitochondrien und eine Eizelle einer Spenderin mit gesunden Mitochondrien. Anschließend wird bei dem Embryo der Spenderin der Zellkern entfernt und durch den Zellkern aus dem Embryo der Mutter ersetzt. Das Baby trägt so das Erbgut dreier Eltern: Im Zellkern das von Mutter und Vater, in den Mitochondrien das der Spenderin.

Bereits fünf Monate alt - Für die Eltern, die jetzt das Kind zur Welt brachten, sei diese Methode jedoch nicht infrage gekommen, heißt es im Bericht des "New Scientist". Aufgrund ihres muslimischen Glaubens wollte das Paar nicht, dass eine befruchtete Eizelle (die der Spenderin) für ihren Kinderwunsch zerstört wird. Stattdessen nutzte der New Yorker Mediziner Zhang den Angaben zufolge einen sogenannten Spindel-Transfer.

Dabei wird der Zellkern aus einer nicht befruchteten Eizelle der Mutter entnommen und in eine entkernte, aber nicht befruchtete Eizelle einer Spenderin eingesetzt. Erst danach wird die Zelle mit dem Sperma des Vaters befruchtet. Auf diese Weise erzeugte das Team nach eigenen Angaben fünf Embryonen, von denen sich nur einer normal entwickelte. Dieser wurde in die Gebärmutter der jordanischen Frau implantiert, neun Monate später brachte sie ihr Kind zur Welt.

Der Sohn ist dem Bericht des "New Scientist" zufolge mittlerweile fünf Monate alt und gesund. Allerdings müsse beobachtet werden, ob sich die Erbkrankheit nicht doch noch ausbilde. Genaueres zu seinem Vorgehen will das Forscherteam erst auf der Konferenz der American Society for Reproductive Medicine im Oktober vorstellen. Bislang hat somit noch kein unabhängiger Wissenschaftler die Angaben des New Yorker Mediziners überprüfen können. Dies ist eigentlich üblich, bevor neue wissenschaftliche Erkenntnisse veröffentlicht werden.

Neunzigerjahre: Fremde Spuren im Erbgut - Streng genommen ist der jetzige Fall nicht das erste Baby, das mit dem Erbgut dreier Eltern geboren wurde. In den Neunzigerjahren hatte es Versuche gegeben, bei denen Forscher in kranke Eizellen Cytoplasma - also die Flüssigkeit - aus gesunden Eizellen einer Spenderin gespritzt. Die Hoffnung war, die kranken Eizellen auf diese Weise zu stärken. Dabei gelangten bei zwei von 17 Kindern auch Mitochondrien der Spenderin und damit Spuren ihres Erbguts in die Eizelle.

Das Ausmaß war allerdings deutlich geringer, als bei dem Fall jetzt, die Vermischung des Erbguts nicht gezielt geplant. Da mehrere der Kinder starke gesundheitliche Probleme hatten, wurden die Experimente anschließend wieder eingestellt.

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