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Kleine Inseln schützen die Küste dahinter nicht, sondern verstärken Tsunamis

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Baku, 5. November, AZERTAG

Vermutet haben Forscher es schon lange - nun zeigen es auch Computersimulationen: Kleine vorgelagerte Inseln schützen die Küste dahinter nicht, sondern können Tsunamis sogar verstärken. Das berichten Forscher im britischen Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society A“. Die Wissenschaftler um Themistoklis Stefanakis und Emil Contal vom Französischen Zentrum für angewandte Mathematik in Cachan studierten dafür die Bewegungen von Wellen in 200 verschiedenen Simulationen.

Bereits in früheren Untersuchungen hatten Forscher festgestellt, dass Sumatra 2004 besonders stark vom Tsunami verwüstet wurde, obwohl viele kleine Inseln davor liegen. Das verwunderte die Forscher, die bis dahin glaubten, dass kleine Inseln das Land und die Küstenbewohner eher vor Wind und Wellen schützen.

Die Forscher um Stefanakis wollten daher untersuchen, ob die besonderen Verwüstungen im Jahr 2004 Folge einer ungünstigen Kombination der speziellen Meeresbodentopografie vor Sumatra und den möglichen Eigenheiten des damaligen Tsunamis waren oder ob es sich um ein generelles Phänomen handelt.

In ihren Computersimulationen variierten sie daher die Höhen von Inseln und Küsten, die Wassertiefe sowie die Distanz zwischen Küste und Insel selbst. Das Ergebnis: In keiner der 200 Computersimulationen schützte eine vorgelagerte Insel die dahinterliegende Küste. Im Gegenteil - die Inseln verstärkten die Energie des Tsunami noch, teilweise sogar um bis zu 70 Prozent.

Oft habe sich eine Insel eher „wie eine Linse verhalten und die zerstörerische Kraft der Welle noch fokussiert“, sagt Ko-Autor Frédéric Dias vom Französischen Zentrum für angewandte Mathematik. Die Wellen schwappen links und rechts an den Inseln vorbei und treffen auf Nachbarwellen oder vereinigen sich hinter der Insel erneut. Ähnlich wie bei Monsterwellen - wenn Wellenfelder aus unterschiedlichen Richtungen aufeinandertreffen - verstärken sich die Wellen dadurch.

Frédéric Dias hofft, dass die Ergebnisse Küstenbewohner und Behörden zum Umdenken bewegen, wenn es darum geht, die Gefahren durch Tsunamis abzuschätzen.

 

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