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Klimaforscher warnen vor einer fatalen Kettenreaktion im Osten der Antarktis

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Baku, den 8. Mai (AZERTAG). Klimaforscher warnen vor einer fatalen Kettenreaktion im Osten der Antarktis: Demnach steigt infolge eines schmelzenden „Eispfropfens“ der Meeresspiegel künftig womöglich unaufhaltsam an.

Durch das Verschwinden eines „Eispfropfens“ infolge der Klimaerwärmung könnte sich eine riesige Eismasse im Wilkes-Becken südlich von Australien in den Ozean ergießen und den Meeresspiegel im Laufe von Jahrtausenden um mehrere Meter steigen lassen.

Das berichten Matthias Mengel und Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in der Zeitschrift „Nature Climate Change“. Sie stützten ihr Szenario auf Computersimulationen und neue Erkenntnisse zum Untergrund der Antarktis.

„Bislang galt nur die West-Antarktis als instabil, aber jetzt wissen wir, dass ihr zehnmal größeres Gegenstück im Osten möglicherweise auch in Gefahr ist“, wird Levermann in einer Mitteilung seines Instituts zitiert.

Mit Mengel untersuchte er das Wilkes-Becken im Osten des Kontinents. Dort, an der George-V.-Küste, hält ein „Eisstöpsel“ die sich dahinter auftürmenden Eismassen zurück. Die Forscher vergleichen das mit dem Korken einer Flasche.

„Das Wilkes-Becken der Ost-Antarktis ist wie eine gekippte Flasche“, sagt Mengel. „Wenn der Korken gezogen wird, entleert sie sich.“ Die Forscher ließen in ihrem Modell die Wassertemperatur bis auf maximal 0,3 Grad Celsius ansteigen. Wenn der Stöpsel schmolz, floss das dahinterliegende Eis ab.

In diesem Fall werde der Meeresspiegel um drei bis vier Meter steigen. Dieser Prozess würde der Simulation zufolge 5000 bis 10.000 Jahre dauern – und wäre auch durch einen Stopp der Erderwärmung nicht mehr aufzuhalten.

Den Simulationen der Wissenschaftler zufolge würde ein Abschmelzen des relativ kleinen „Eiskorkens“, der das Eisfeld derzeit zum Meer hin begrenzt, einen unaufhaltsamen Prozess auslösen. Das Eis liegt in einem riesigen Tal, das zum Landesinneren hin abfällt.

Selbst wenn der Klimawandel danach gestoppt werden könnte, würde das gesamte Eisfeld nach und nach ins Meer fließen und schmelzen.

„Das ist das grundlegende Problem hier“, sagt Mengel. „Indem wir mehr und mehr Treibhausgase ausstoßen, lösen wir möglicherweise heute Reaktionen aus, die wir in Zukunft dann nicht mehr stoppen können.“

Schon zurzeit gebe es in diesem Gebiet erhöhte Schmelzraten, betont Levermann. Diese dürften sich angesichts der Klimaprognosen in den kommenden Jahrzehnten verstärken.

Der durch Leerlaufen und Abschmelzen des Eisbeckens im Wilkesland ausgelöste Meeresspiegelanstieg würde nach Einschätzung der Wissenschaftler „das Gesicht unseres Planeten verändern“. Mit „großer Wahrscheinlichkeit“ wären Küstenstädte wie New York, Tokio, Mumbai und Dublin einem erheblichen Überflutungsrisiko ausgesetzt.

Die Experten stützen sich auf Computersimulationen des Eisflusses, die sie mit neuen Daten zur Topografie des fraglichen Gebiets fütterten.

Eine ähnliche Entwicklung habe sich im Pliozän vor etwa vier Millionen Jahren vollzogen, schreiben die Forscher. Damals herrschten demnach Temperaturen und CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre, wie sie für den Lauf dieses Jahrhunderts prognostiziert werden.

 

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