GESELLSCHAFT


Klimarat warnt vor Erderwärmung um vier Grad Celsius

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Baku, 3. November, AZERTAG

Die Botschaft der Wissenschaft ist deutlich: Die Menschheit müsse schnell umsteuern, um die Erderwärmung zu begrenzen. Deren Folgen träfen auch die reichen Länder. Der Weltklimarat IPCC hat zum sofortigen Handeln aufgerufen, um eine tiefgreifende und irreversible Veränderung des Erdklimas zu verhindern. Es bleibe nur noch wenig Zeit, um eine Erwärmung über zwei Grad Celsius zu verhindern, sagte der IPCC-Vorsitzende Rajendra Pachauri.

Nach sechs Jahren Arbeit legte der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) seinen fünften Klimabericht vor. Er ist die Basis für den Klimavertrag, mit dem Staats- und Regierungschefs aus aller Welt 2015 in Paris verbindliche Schritte gegen den Klimawandel beschließen sollen. Der Bericht beschreibt die Ursachen und Auswirkungen der Veränderungen, schlägt aber auch Gegenmaßnahmen vor.

Der Klimawandel sei real und der Mensch sei sein Hauptverursacher, bestätigt der sogenannte Synthesebericht, der drei frühere Reporte des IPCC bündelt. Dass die Atmosphäre sich seit 1998 langsamer erwärmt habe, gehe auf kurzfristige natürliche Schwankungen zurück und bedeute nicht das Ende des Klimawandels. Die seit 1950 beobachteten Folgen seien Hitzewellen, Wassermangel, Naturveränderungen und Ernteverluste. Der Ausstoß von Treibhausgasen sei zwischen 2000 und 2010 rasant gestiegen.

Sollte dies so weitergehen, drohe eine Erderwärmung um vier Grad Celsius, warnt der Klimarat. Dies werde „neue Risiken schaffen und bestehende verstärken, und zwar in armen wie in reichen Ländern“. Erwartet werden die Erwärmung der Meere, häufigere Hitzewellen, eine Verkleinerung der Gletscher und das Abschmelzen des grönländischen Eisschildes. Das Artensterben werde zunehmen, es drohten Einbußen bei Fischerei und Landwirtschaft und in der Konsequenz Hungersnöte. Schon heute würden Phasen extremer Hitze zu einer höheren Sterblichkeit in Nordamerika und Europa führen. Der Weltklimarat prophezeit mehr Armut, Flüchtlinge und Bürgerkriege infolge der Extremwetter.

Möglichkeiten, den Klimawandel zu bremsen und seine Folgen zu antizipieren, gebe es viele, meinen die Wissenschaftler. Die wichtigste Maßnahme sei der Umstieg auf CO2-arme Energiequellen und das Sparen von Energie: „Das fossile Zeitalter muss bald enden, der Großteil der Kohle muss in der Erde bleiben.“ Dazu schlägt das IPCC eine CO2-Steuer vor, die er als wirkungsvoller als den Handel mit Emissionsrechten bezeichnet. Auch in der Stadtentwicklung gebe es „einmalige Möglichkeiten zur Emissionsminderung“, etwa durch höhere Verdichtung und die Mischung von Wohnen und Gewerbe.

Das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, geben die Forscher nicht auf. Es zu lockern, würde kaum Kosten sparen, aber viel höhere Risiken bringen, heißt es im Fazit der Studie. Bei einer Erwärmung um drei Grad drohe ein starker Anstieg der Meeresspiegel. Von einer künstlichen Verringerung der Sonneneinstrahlung durch Wolkenmanipulationen oder Sonnensegel im All halten die Klimawissenschaftler nichts: Dies würde zahlreiche Nebenwirkungen haben und ethische Fragen aufwerfen.

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