GESELLSCHAFT


Klimawandel in der Arktis

A+ A

Baku, 31. Mai, AZERTAC

In der Arktis ist der Klimawandel deutlich spürbar, die Antarktis-Region erwärmt sich wesentlich langsamer. Nun präsentieren Forscher eine Erklärung für das Phänomen.

Für Klimaforscher ist die Antarktis immer noch voller Rätsel. Wie stabil ist der mächtige Eispanzer des Kontinents? Warum steigen die Wassertemperaturen dort langsamer als etwa um den Nordpol?

Zumindest auf die zweite Frage glauben Wissenschaftler der University of Washington in Seattle nun eine Antwort gefunden zu haben. Demnach treiben Meereswirbel um den Kontinent kaltes Wasser aus großer Tiefe nach oben. Im Unterschied dazu werde das durch die höheren Lufttemperaturen erwärmte Oberflächenwasser nach Norden transportiert. In den Gewässern der Antarktis-Region schlage der Klimawandel deshalb erst um Jahrhunderte verzögert durch, schreibt das Team um Kyle Armour im Fachblatt "Nature Geoscience".

Im Mittel hätten sich die Meere auf der Erde seit 1950 pro Jahrzehnt um 0,08 Grad Celsius erwärmt, schreiben die Wissenschaftler. Beim Südlichen Ozean betrage die Erwärmung dagegen nur durchschnittlich 0,02 Grad Celsius pro Dekade. Dies hatten Forscher bislang mit verschiedenen Erklärungen zu begründen versucht - unter anderem damit, dass durch die Luft aufgewärmtes Wasser in die Tiefe abgeführt und dort gespeichert wird.

Altes, kaltes Wasser - Das Team um Armour kombinierte nun an Treibbojen vor Ort und von Satelliten gesammelte Beobachtungsdaten von 1982 bis 2012 mit Computersimulationen. Demnach schieben die starken Winde um die Antarktis das Oberflächenwasser nordwärts. An die Oberfläche strömt kaltes Wasser nach, das teils aus mehreren Kilometern Tiefe stammt.

"Um den Kontinent herum kommt wirklich tiefes, altes Wasser an die Oberfläche, das seit Jahrhunderten nicht mehr mit der Atmosphäre in Kontakt gekommen ist", wird Armour in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. Dieses Wasser sank demnach lange vor Beginn der Industrialisierung im Nordatlantik in die Tiefe.

Das Team berichtet, dass sich das Oberflächenwasser erst nördlich des antarktischen Zirkumpolarstroms, der die Antarktis umfließt, relativ stark erwärmt - um 0,11 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Von dort wird der Großteil der Wärme dann weiter nordwärts Richtung Äquator transportiert.

Die Erwärmung der Gewässer verzögert sich den Angaben zufolge um Jahrhunderte. Dies decke sich mit Erkenntnissen zum Klima früherer Erdzeitalter: Wenn man Zeiträume über Jahrtausende untersuche, habe sich der Südliche Ozean Studien zufolge ähnlich stark erwärmt wie die arktischen Gewässer.

© Jede Verwendung von Materialien muss durch den Hyperlink kenntlich gemacht werden

KONTAKT MIT DEM AUTOR

Füllen Sie die erforderlichen Stellen mit Zeichen* aus

Bitte geben Sie die Buchstaben wie oben gezeigt ein.
Egal, ob die Buchstaben groß oder klein sind