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Klimawandel würde höchst gefährlich

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Baku, 5. März, AZERTAC

Klimaforscher warnen vor einer zwei Grad wärmeren Welt. Im Februar hat die Nordhälfte der Erde die Schwelle bereits übersprungen, vor allem wegen des Wetterphänomens El Niño. Drohen jetzt die Folgen des Klimawandels?

Auf zwei, möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum 19. Jahrhundert möchte die Weltgemeinschaft die Klimaerwärmung begrenzen, das hat sie im Dezember in ihrem Klimavertrag beschlossen. Ab zwei Grad, so lautet die Warnung von Wissenschaftlern, würde der Klimawandel höchst gefährlich.

Aktuelle Temperaturmessungen zeigen, dass es schwer werden könnte, die Erwärmung vorher zu bremsen. Die Temperaturkurve der Nordhalbkugel dokumentiert einen erstaunlichen Ausschlag. Binnen weniger Wochen hat sie die Zwei-Grad-Schwelle übersprungen (siehe Grafik, sie zeigt die Temperaturen im Vergleich zum Durchschnitt 1981 bis 2010, im Vergleich zum 19. Jahrhundert liegen sie gut 0,4 Grad höher).

Dass die stete Mehrung von Treibhausgasen in der Luft aus Industrie, Kraftwerken und Autos das Klima wärmt, halten Forscher für erwiesen. In den vergangenen Monaten aber kam ein natürlicher Wärmeausbruch hinzu: Das Wetterphänomen El Niño, das im Pazifik warmes Wasser an die Oberfläche treibt, hat die Luft weltweit erwärmt.

Rekorde im Februar - El Niño hat seinen Höhepunkt zwar bereits überschritten, aber es dauert Monate, bis sich die pazifische Wärme weltweit in der Atmosphäre verteilt. Jetzt scheint sie sich in der Nordhälfte der Erde auszubreiten.

Allerdings, betonen Klimaforscher, gab es ähnlich starke El Niños wie den aktuellen in der Vergangenheit, ohne dass die Temperaturen dermaßen gestiegen wären. Die Gelehrten sehen darin ein klares Zeichen für den zunehmenden Einfluss des Menschen auf das Klima.

Offizielle Zahlen für Februar gibt es zwar noch nicht. Aber vorliegende Daten dokumentieren, dass der Februar der fünfte Monat in Folge ist, in dem die globale Durchschnittstemperatur die Ein-Grad-Schwelle überschritten hat - das hatte sie zuvor noch nie seit Beginn der Messungen Ende des 19. Jahrhunderts.

Mehr noch: Die Abweichung der Temperatur vom langjährigen Durchschnitt war im Februar so groß wie nie während der systematischen Messungen. Der vergangene Monat war global den inoffiziellen Daten zufolge knapp 1,4 Grad wärmer als der Februar-Durchschnitt - und lag damit etwa 1,8 Grad über dem Niveau des 19. Jahrhunderts.

Ungewollter Blick in die Zukunft - Besonders warm war es in der Arktis, dort war es in den vergangenen Wochen 16 Grad wärmer als normal, was die Durchschnittstemperatur der Nordhalbkugel besonders hochtrieb. Ursache war unter anderem der schwach ausgebildete Polarwirbel, eine Kaltluftzone, die sonst wie ein Bollwerk gegen Luft aus Süden wirkt.

Diesen Winter aber drang subtropische Luft an den Nordpol vor, was den Eisschollen der Arktis arg zusetzte - die Ausdehnung des winterlichen Meereises ist so klein wie nie seit Beginn der Satellitenüberwachung Ende der Siebzigerjahre.

Wie geht es weiter? Nach dem Abflauen von El Niño erwarten Meteorologen eine Abkühlung des Klimas. Langfristig aber dürfte der anhaltende Treibhausgasausstoß die globale Erwärmung antreiben, erwarten Forscher - wie stark, ist aber umstritten. Auch die Folgen der erwarteten Erwärmung sind unklar.

Das Überschreiten der Zwei-Grad-Schwelle auf der Nordhalbkugel könnte nun zum Experiment werden: Forscher beobachten, welche Auswirkungen die Wärme beispielsweise auf Extremwetter hat. So könnte die aktuelle Witterung einen ungewollten Blick in die Zukunft bieten, in eine zwei Grad wärmere Welt.

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