WELT


Kosmische Erdnuss

A+ A

Baku, den 13. September (AZERTAG). Das Zentrum der Milchstraße ist von der Erde aus schlecht zu beobachten. Astronomen haben jetzt trotzdem einiges über die Region herausgefunden, die rund zehn Milliarden Sterne enthält - unter anderem berichten sie über ihre auffällige Form.

Die zentrale Verdickung unserer Heimatgalaxie hat die Form einer Erdnuss - zumindest wenn man sie aus einem bestimmten Winkel betrachten würde. Das lässt sich aus der bislang besten dreidimensionalen Karte der Zentralregion ablesen, wie die Europäische Südsternwarte Eso mitteilt. Astronomen haben das Zentrum der Milchstraße mit Infrarotteleskopen kartiert.

Unsere Milchstraße ist eine spiralförmige Sternenscheibe mit einer zentralen Verdickung, englisch „Bulge“. Das rund 27.000 Lichtjahre entfernte Zentrum unserer Galaxie ist schwer zu beobachten, weil von der Erde aus gesehen große Gas- und Staubwolken die Sicht versperren. Infrarotteleskope können durch diese Wolken jedoch hindurchblicken.

Nach Angaben der Eso besteht der Bulge aus rund zehn Milliarden Sternen, sein Durchmesser beträgt Tausende von Lichtjahren.

Nur die am stärksten verdunkelten Regionen bleiben verborgen - Aus den Daten des Vista-Teleskops der Eso in Chile haben Christopher Wegg und Ortwin Gerhard vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) in Garching nun die Entfernung zu rund 22 Millionen Sternen im Bulge bestimmt, die zu einer bestimmten Unterklasse der roten Riesen zählen. Anhand dieser Daten haben sie die dreidimensionale Karte der zentralen Verdickung erstellt, die sie demnächst im Fachmagazin „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ vorstellen (Vorabversion auf arxiv.org).

Mit Hilfe des „Vista“-Teleskops konnten die Forscher 30-mal leuchtschwächere Sterne detektieren als bei früheren Untersuchungen der zentralen Verdickung. „Die Tiefe des Vista-Sternkatalogs übersteigt bei weitem vorhergehende Arbeiten. Wir können fast überall ganze Populationen dieser Sterne nachweisen, nur die am stärksten verdunkelten Regionen bleiben uns verborgen“, sagt Wegg.

„Wir haben festgestellt, dass die innere Region unserer Galaxie von der Seite wie eine Erdnuss eingehüllt in ihre Schale aussieht, von oben dagegen wie ein langgezogener Balken“, sagt Ortwin Gerhard vom MPE.

Ein zweites Team um den chilenischen Doktoranden Sergio Vásquez von der Pontificia Universidad Católica de Chile hat den Bulge auf andere Weise untersucht. Die Forscher verglichen Bilder, die im Abstand von elf Jahren mit dem MPG/ESO-2,2-Meter-Teleskop aufgenommen wurden. So konnten sie bestimmen, wie sich die Sterne im Bulge bewegen. Kartiert haben sie den Kurs von mehr als 300 Sternen in der zentralen Milchstraßenregion, worüber das Team in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ berichtet (Vorabversion von arxiv.org).

© Jede Verwendung von Materialien muss durch den Hyperlink kenntlich gemacht werden

KONTAKT MIT DEM AUTOR

Füllen Sie die erforderlichen Stellen mit Zeichen* aus

Bitte geben Sie die Buchstaben wie oben gezeigt ein.
Egal, ob die Buchstaben groß oder klein sind