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Krähen können abstrakte Zusammenhänge erkennen

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Baku, 23. Dezember, AZERTAG

Krähen können abstrakte Zusammenhänge erkennen - und zwar spontan, ohne vorheriges Training. Das schreiben Forscher aus Russland und den USA, die zwei Aaskrähen verschiedenen Tests unterzogen, in der Fachzeitschrift „Current Biology“.

Die Tiere sollten aus jeweils drei Karten, auf denen diverse Symbole abgebildet waren, die beiden Zusammengehörigen auswählen - und lagen mit ihrer Entscheidung meist richtig. Die Wissenschaftler sprechen von einer „Meisterleistung“.

In dem Versuch ging es für die beiden Aaskrähen (Corvus corone) zunächst mit einer einfachen Aufgabe los: Die Vögel sollten von drei Karten jene beiden einander zuordnen, deren Symbole in Form, Farbe und Anzahl identisch waren. Nur wenn sie richtig entschieden, bekamen sie zur Belohnung Futter.

In der zweiten Versuchsphase wurde es dann schwieriger: Die Karten trugen keine identischen Symbole mehr. Stattdessen hatten die Abbildungen auf zwei der jeweils drei Karten nur noch einen abstrakten Zusammenhang. Auch Menschen müssen sich konzentrieren, um die Einordnungen zu erkennen.

Ein Beispiel: Zu einer Karte mit zwei gleich großen Quadraten gehörte eine andere mit zwei gleich großen Kreisen, nicht aber eine dritte mit Kreisen unterschiedlicher Größe.

In dieser Phase bekamen die Krähen für jede Wahl Futter, egal wie sie abschnitten. Dennoch lagen sie meist richtig - im ersten Durchgang durchschnittlich bei 78 Prozent ihrer Entscheidungen.

Dies sei eine phänomenale Leistung, wird Ed Wasserman von der University of Iowa in Iowa City in einer Mitteilung der Hochschule zitiert. Die Krähen hätten Zusammenhänge erkannt, ohne dafür speziell trainiert worden zu sein. Schon mit Training wäre die Trefferquote beeindruckend, betont er. Aber als spontane Reaktion handele es sich um eine Meisterleistung, die zuvor nur bei Menschen und Affen gezeigt worden sei.

Allerdings, so räumt der Psychologe ein, habe der erste Versuch den beiden Krähen ein Verständnis für das Konzept von Gleichheit ermöglicht. Dieses hätten sie dann in der zweiten Phase auf komplexere Zusammenhänge übertragen.

Jahrzehntelang habe man die Fähigkeit zu abstraktem Denken nur Menschen und Menschenaffen zugestanden, wird Anthony Wright von der University of Texas in Houston in der Mitteilung zitiert. "Die anscheinende Spontaneität dieses Resultates macht es umso bemerkenswerter“, sagt der Neurobiologe. Und der Kognitionspsychologe Joel Fagot von der französischen Universität Aix-Marseille meint: „Die Hinweise häufen sich, dass Tiere mehr tun können als bisher bekannt.“

Es ist nicht das erste Experiment, in dem Krähen mit ihrer Intelligenz überraschen. In einem anderen Versuch bewiesen die Tiere, dass sie so klug sind wie in einer antiken Fabel beschrieben. Mit Steinen soll eine Krähe in einer Erzählung des griechischen Dichters Äsop den Wasserstand in einem Krug so erhöht haben, dass sie daraus trinken konnte. Die Wissenschaftler trainierten Neukaledonische Krähen (Corvus moneduloides), dies nachzuahmen - mit Erfolg.

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