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Meeresgrund sieht vielerorts anders aus als vermutet

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Baku, 9. September, AZERTAC

Der Meeresgrund sieht vielerorts anders aus als vermutet - das zeigt die Analyse von 14.500 Bohrungen. Die Ozeane seien abwechslungsreicher als angenommen, schwärmen Forscher.

Große Weiten des Meeresgrunds bleiben selbst U-Booten verborgen, die normalerweise nur einige Hundert Meter untertauchen. Auch Wale kommen kaum tiefer als tausend Meter. Tiefseeböden liegen in abgeschiedener Dunkelheit. Nun bietet ein Atlas überraschende Einblicke.

Geoforscher um Adriana Dutkiewicz und Dietmar Müller von der University of Sydney haben 14.500 Bohrungen in Meeresböden ausgewertet. Die Daten liefern ihren Angaben zufolge die erste Karte der Ozeansedimente seit 40 Jahren. Sie zeigt: Der Meeresgrund sieht weitenteils anders aus als vermutet.

Alte Karten beruhten teils auf einer falschen Annahme, berichten die Gelehrten: Die Ablagerungen am Grund wurden gleichgesetzt mit den Partikeln, die im Wasser trieben - sie würden in den gleichen Gebieten absinken und den Boden bedecken, so lautete die Vermutung.

Ein Irrtum, berichten Dutkiewicz und ihre Kollegen im Fachmagazin „Geology“: In den südlichen Ozeanen etwa zeigten bisherige Karten eine Monokultur aus Kieselsäure-Sedimenten, Abermillionen winziger Schalen toter Kleinstlebewesen. Die Auswertung der Bohrkerne aber dokumentiert eine vielfältigere Landschaft unterschiedlicher Sedimente. Die Kieselsäure-Areale seien um ein Viertel kleiner als angenommen.

Der häufigste Landschaftstyp der Erde - Die Analyse zeige, dass kaum verstanden sei, wie und wo sich Sedimente am Meeresgrund ablagerten, sagt Müller. „Die Ozeane sind viel reicher als angenommen“, ergänzt Dutkiewicz.

In vielen Gebieten dominieren helle Kalksedimente, die Schalen toter Kleinlebewesen. Sie seien um ein Drittel häufiger als angenommen, berichten die Forscher.

Eine Überraschung, denn in größerer Tiefe lösen sich die Kalkgehäuse auf - der Wasserdruck ist so hoch, dass sich Kohlendioxid löst, was das Wasser sauer macht. Kalk hat dort keinen Bestand. In flacheren Gefilden ist es aber weitaus häufiger, zeigt nun die Analyse.

Der häufigste Meeresbodenbelag ist rötlichbrauner Schlick. Es handelt es sich um feine Staubpartikel, die sauerstoffreiches Tiefenwasser rot gefärbt hat. Zwar dauert es Jahrtausende, bis die von Flüssen und Wind ins Meer verfrachteten Partikel auf den Grund gesunken sind: Die Schicht am Boden wächst in 500 Jahren nur um einen Millimeter.

Doch während der Jahrmillionen haben sich vielerorts Hunderte Meter dicke Schlickschichten in der Tiefsee angesammelt. Der sogenannte Tiefseeton bildet den häufigsten Landschaftstyp der Erde, er dominiert die lichtlosen Weiten in 4000 und 5000 Metern Tiefe, die einen Großteil der Erdoberfläche ausmachen.

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