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Mehrere Tote bei Protesten am dritten Jahrestag des ägyptischen Volksaufstands

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Amman, den 25. Januar (AZERTAG). Bei Protesten am dritten Jahrestag des ägyptischen Volksaufstands sind mehrere Menschen getötet worden. Die Polizei geht mit Gewalt gegen Demonstranten vor, die gegen das Militär und die von ihm eingesetzte Übergangsregierung protestieren. Über die Zahl der getöteten Menschen gibt es unterschiedliche Angaben: Die Nachrichtenagentur Reuters meldet sieben Tote, AFP spricht von mindestens vier Toten. Das ägyptische Gesundheitsministerium gibt die Zahl der Toten mit fünf an.

Allein in Kairo sollen Reuters zufolge vier Menschen gestorben sein. Das Gesundheitsministerium verbreitete zudem über Twitter die Meldung, in Kairo, Gizeh und Alexandria habe es jeweils einen Toten gegeben, in Minia zwei. Einem Bericht des Staatsfernsehens zufolge kam es in der Nähe einer Polizeistation in Suez zu einer Explosion. Ein Sicherheitsbeamter teilte mit, drei Angreifer hätten eine Bombe platziert und seien rechtzeitig geflohen. Mindestens neun Menschen sind nach Angaben der Armee verletzt worden.

In Kairo ging die Polizei mit Tränengas und scharfen Schüssen in die Luft gegen Protestierende vor. So etwa gegen eine Gruppe von rund tausend Menschen, die sich versammelt hatten, um in Richtung auf den Tahrir-Platz zu marschieren - Ausgangspunkt der Proteste, die vor drei Jahren zum Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak geführt hatten.

Wenige Meter vom Tahrir-Platz entfernt bekämpften sich am frühen Nachmittag Anhänger und Gegner des Militärs und des Armeechefs Abd al-Fattah al-Sisi mit Steinen, Glasflaschen und Feuerwerkskörpern. Auf dem Platz selbst feiern ausschließlich Sisi-Anhänger. Militärhubschrauber kreisen über der Stadt. Die Eingänge zu dem Platz sind streng kontrolliert, die Armee lässt neben Panzern nur einen schmalen Korridor, durch den sich Menschen zwängen, die meisten von ihnen mit ägyptischen Flaggen in der Hand, die ihnen geschäftstüchtige Händler zuvor verkauft haben. Auch andere Merchandising-Artikel wie T-Shirts, Poster oder Buttons verkaufen sich gut, sehr populär sind auch Gummimasken mit Sisi-Konterfei.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind scharf: Männer, Frauen und selbst Kinder werden ausnahmslos durchsucht, bevor die Soldaten ihnen Einlass zum Platz gewähren. Weibliche Polizisten tasten Frauen ab, um sicherzugehen, dass sich unter ihren Kopftüchern keine Waffen befinden.

Dennoch ist auch die Stimmung auf dem Tahrir-Platz selbst gereizt. Viele wütende Menschen beschimpfen vor allem ausländische Journalisten, halten ihnen vor, sie würden für al-Dschasira arbeiten. Das ägyptische Regime hält seit Wochen Journalisten des arabischen Nachrichten-Senders gefangen. Die Staatsmedien werfen ihnen vor, in ihrer Berichterstattung auf Seiten der Muslimbrüder zu stehen - die von der Mehrheit der Sisi-Anhänger gehasst werden.

Anhänger des gestürzten Ex-Präsidenten und Muslimbruder Mohammed Mursi demonstrieren derweil in anderen Stadtteilen, rufen Slogans wie:“ Mursi ist der Präsident von Millionen“ und bekunden, dass sie „bereit für das Märtyrertum seien. Auch diese Kundgebungen löst die Armee immer wieder durch den Einsatz von Tränengas und Luftschüssen auf.

Allerdings sind viele liberale Aktivisten, die noch vor drei Jahren auf die Straße gegangen sind, um der jahrzehntelangen Mubarak-Herrschaft ein Ende zu machen, diesmal zu Hause geblieben. Sie unterstützen weder die Muslimbruderschaft noch eine erneute Militärdiktatur. Wenn es heute zu einem Blutvergießen kommt, wollen sie nicht dabei sein.

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